Thom Yorke

Dezember 4, 2008

Ich lache jetzt schon seit 2 Tagen über diesen Auftritt Thom Yorkes in einer Quiz show…

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Man, das waren wirklich sehr intensive anderthalb Wochen, und allein über die beiden Wochenenden könnte ich jeweils ein Buch schreiben. Alles in allem war es wirklich sehr schön, obwohl ich den Eindruck habe, mit dem Verarbeiten nicht recht nachzukommen. Vielleicht erstmal ein paar Sätze zum (meinem 11.) Orange Blossom Special Festival, bei dem ich seit letztem Montag gearbeitet habe. Die auffälligste Neuerung in diesem Jahr war natürlich das Wetter; bis auf das OBS 9 gab es noch kein Jahr ohne Regen, und selbst beim neuten standen viele Wolken den Sonnenstrahlen im Weg. Diesmal aber nicht – schon in der Aufbau-Woche brauchte man Sonnenmilch und es wurde jeden Tag wärmer.

Mit am schönsten war wie immer das Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten. Letztes Jahr konnte ich ja nicht zur Weihnachtsfeier kommen, was den Abstand natürlich um so grösser machte.
So richtig angefangen hat es schon am Donnerstag Abend mit der Aufwärmparty im Stadtkrug. Stefan Maelck hat aus seinem aktuellen Hank Meyer Roman gelesen, der offenbar nicht weniger lustig als sein Vorgänger ist. Danach spielte WOLAM, die das Festival letztes Jahr eroeffnet haben, und wow, die haben sich ja enorm weiterentwickelt. Gute Band. Leider sind mit mir zusammen eigentlich fast alle ziemlich abgestuerzt, was das Arbeiten am Freitag etwas schwierig gestaltete…

Hier ein paar kurze Eindrücke zu den Bands:

Freitag, 09. Mai 2008

SIR SIMON
Diesmal wurde das OBS von einer Berliner Band namens Sir Simon Battle eröffnet, die eine Art Indiepop spielten (was bei mir mittlerweile als Schimpfwort gilt). Fand ich aber trotzdem sehr schön, da es viele originelle Ideen gab und die üblichen Engländer mal nicht kopiert wurden. Ausserdem waren alle sehr nett. Werde ich im Auge behalten. Vielleicht brauchen sie ja mal eine Pedal Steel…

THE AUDIENCE
Der Hammer. Wer sich noch an The Make Up erinnern kann, der bekommt eine Ahnung. Schade, dass ich mir keine CD von Ihnen gekauft habe, muss ich mal nachholen.

The Audience

THE VIOLENT YEARS
Von den Norwegern blieb mir eigentlich nur der Drummer im Gedächtnis, und das weniger aufgrund seiner musikalischen Leistung sondern allein durch die Tatsache, dass er das ganze Wochenende sturzbesoffenst durch das Festival stolperte und und ordentlich nervte.

GIRLS IN HAWAII
Bands mit Attitüde… Ich kann ja gut verstehen, warum man als Musiker manche Kompromisse nicht eingehen moechte, weil die Performance darunter leiden würde, aber vielleicht wäre es schlau, bei einem kleinen Festival mal einen Gang runterzuschalten. Allein der Rider war 26 Seiten lang…
Normalerweile spielen die Bands wegen Zeitdruck grösstenteils mit der gleichen (qualitativ exzellenten) Backline, aber die Girls wollten komplett über ihr eigenes Zeug spielen und so stand der komplette Keller voll mit GIH-Krempel. Naja. Musik ging so. Ein bisschen zu poppig für mich. Fand aber die Vocal-Loops sehr intererssant. Müsste ich wohl mal auf Platte hören.

Girls in Hawaii

Samstag, 10. Mai 2008

CLARA LUZIA
Aus Österreich. Ein bisschen wie Feist, nur etwas beschwingter. Nett, hat mich aber nicht gepackt.

SHOOTING JOHN
Obwohl ich die Platte letztes Jahr richtig gut fand, habe ich die irgendwie verpasst… Was habe ich da nur gemacht? Gegessen?

CUBA MISSOURI
Indierock. Ansonsten äussere ich mich da mal nicht zu.

RYKARDA PARASOL & THE TOWER RAVENS
Toll! Mein alter Kumpel Christian ist derzeit ihr Tourmanager, deshalb war gleich ein guter Draht zwischen der Band und mir da. Hatte Rykarda letztes Jahr Solo gesehen, was mich nicht so überzeugt hatte, aber mit dieser Combo (und vor allem mit Wymond, dem Gitarristen, musikalisch eine Mischung aus J Mascis und dem Typen von Steve Wynn) war sie um ganze Klassen besser. Tolle Stimme, erinnert mich an Siouxsie Sioux.

HYACINTH HOUSE
Ich bin nicht ganz unbeteiligt daran, dass ihre CD bei Glitterhouse rausgekommen ist, und ich mag die Band echt gerne. Ich kann ja auch verstehem, das man nervös ist vor einem Gig, aber Himmeldieberge, sowas habe ich selten gesehen. Die beste Szene: Der Sänger und Gitarrist kriegte sein Stimmgerät nicht zum laufen und sprang gute 2 Minuten auf der armen Kiste rum, bevor er sie dann kurzentschlossen mit dem baugleichen Modell der Chellistin austauschte, nach dem Motto: Welches Bandmitglied mag ich denn am wenigsten? Als die sich beschwerte und Rembert sich das Ding mal anguckte, war wohl keine Batterie drin… ahem. Konzert war aber trotzdem gut.

20:40 MICHAEL J. SHEEHY & THE HIRED MOURNERS
Klarer Gewinner des letzjähringen Festivals und heuer sah es auch kaum anders aus. Mehr in die Fresse, aber trotzdem mit Seele. Die Bassistin ist immer noch das Rock Chick of the year (schwarzer Gibson Thunderbird mit goldenen Saiten!) Und trinkfest.

22:30 SCOTT MATTHEW
Im Dezember habe ich ihn erstmalig im Berliner Babylon-Kino gesehen, wo er nach einer Shortbus-Vorführung spielte. Hat mich nicht so beeindruckt; ich fand, das alle Songs gleich klangen und er konnte auch nicht Ukulete spiele, da er aufgrund eines Überfalls in NY seine Hand noch in einer Schlinge trug.

Trotzdem habe ich mich in den nächsten Wochen dabei erwischt, mir ständig die Songs auf seiner myspace-Seite angehört zu haben. Im Februar kam er dann nochmal ins Babylon und da war es um mich geschehen. Ich sass die ganzen 90 Min. auf der Kante meines Sitzes und hing an seinen Lippen. Unglaublich nett ist er auch noch. Er trägt ja einen imposanten, schwarzen Bart und Rembert hatte vorher einige Fake-Bärte besorgt, die wir alle während der Umbaupause trugen. Wider einigen Befürchtungen war die Künstlerseele nicht beleidigt, er fand das sogar ziemlich lustig. Auch das Album dürfte schwerlich aus meinen Top 10 in diesem Jahr zu vertreiben sein. Bester Act für mich in
diesem Jahr und dieses Konzert, wenn es auch nicht so intim wie im Babylon neulich war, hat das nochmal bestärkt. Texte sind übrigens auch toll.

Reinhard und Rembert

Sonntag, 11. Mai 2008

12:30 MARY EPWORTH & THE JUBILEE BAND
An diesem Morgen habe ich höchstpersönlich den hangover erfunden und deswegen nur 3 Songs gesehen. Fand ich aber sehr schön. Die Musik auch.

14:00 GISBERT ZU KNYPHAUSEN
1000 Symphatiepunkte, aber ich glaube, ich kann mit dieser Art von sensirrbeler Nabelbetrachtung nichts mehr anfangen. Ohne Band klang er wie Reinhard Mey. Irrsinnig guter Drummer.

15:30 SCOUT NIBLETT
Auf die hatte ich mich schon sehr gefreut, da ich ein paar Songs ihres letzten Albums kannte. Kamen zu spät, weil ihr Navi ausgefallen war und sie sich (trotz des Namens!) verfahren hatten. Gingen also gleich auf die Bühne, Sie mit alter Jaguar und voll aufgedrehtem Twin Reverb, er mit unserem Gretsch-set unten auf der Bühne. Vom ersten Moment an dache ich, die „haben“ es – extrem dynamisch, teilweise sehr laut und intensiv aber immer etwas autistisch. Es gab allerings einen lustigen Moment, als sie „Any questions?“ in die Menge fragte und die erwartbaren bescheuerten Fragen brav beantwortete. Nach Matthew mein liebstes Konzert. Hat mich echt umgehauen.

17:00 HANK SHIZZOE & THE DIRECTORS
Was für ein Kontrast, doch bei aller Liebe: Dabei bin ich beinahe eingeschlafen. Klänge es nicht so despektierlich, würde ich es „Mucker-Rock“ nennen, aber es gibt ja Leute, die Gitarrensoli toll finden. Pause für mich, Spass für die anderen.

18:40 DEXTER JONES CIRCUS ORCHESTRA
Deren CD lief schon beim Aufbau ständig und mir gefiehl sie sehr gut. Live dann sogar noch besser, weil weniger „brav“. Whisbone Ash und so weiter, sowas traut sich keiner mehr heute. Waren richtig toll und hatten sogar interessantes zu erzählen. Men on a mission. CD gekauft.

20:20 THE GREAT CRUSADES
Tolle Typen, musikalisch konnte ich nie richtig viel mit ihnen anfangen. Tolle show, aber.

22:10 TIMESBOLD
Gefiel mir noch besser als auf Platte, da seine jammerige Stimme live nicht so deutlich rüberkam. Die Songs finde ich eigentlich alle gut (Old Hannah!), auch die Arrangements, aber diese Art zu singen ertrage ich nicht nur sehr dosiert, auch, wenn sich momentan viele auf die Robert-Smith-Schule beziehen. Ein toller Abschluss des OBS jedenfalls.

Timesbold

Was noch:

– Ein neuer Sponsor in diesem Jahr: Stark-Amps. Klangen wie angedickte Fenders, also sehr gut. Der „Präsident“ der Firma lief mit Hut und Hund durch die Gegend, ein Techniker wurde auch noch extra
eingeflogen. Alles ein etwas bizarrer Aufmarsch für so eine kleine Firma. Aber 1000 Dank für die tollen Crew-Shirts und die Pins und überhaupt. Ihr seid schon ganz schön cool.

– Kopfstützen beim Pissoir. Harnlassoptimierung auf allerhöchsten Niveau.

– Montag abend essen mit Eckman, Race und Brokaw. Haben viel von Mali erzählt. Die haben die beste Zeit ihres Leben auf Tour, glaube ich. Race hat ein Album einer Band aus Polen mitgebracht („Psycho-Path“, glaube ich), auf der eine gefesselte Frau in einer Blutlache liegt und ein Messer im Arsch hat. Wir sahen Parallelen zu „Smell The Glove“ und befanden, das Spinal Tap einfach ein Muss für jeden ist, der irgendwas mit Musik zu tun hat, denn sonst wirds leicht scheisse.

– Zwei neue Motti für das nächste OBS: „Schöne Männer und Weltfrieden“ (sehr gut) und: „Macht hinne, wir wollen in den Stadtkrug!“ (Even Better!)

– Dieses Jahr wurde grösstenteil LED-Licht eingesetzt, was mir überhaupt nicht gefiel, da es m.M. n. nicht zur Musik und zur Stimmung des OBS passt. Gerade das blaue Licht sah aus, alo ob jemand ein paar Neonröhren angeknipst hätte. Die immense Stromersparniss ist zwar ein gewichtiges Argument, aber die Dinger sind die Kondome der Sparte Licht in der Veranstaltungstechnik. Quasi.

– Muss man es sagen? Man muss. Der Sound war wie immer grossartig. Thx, Thorsten.

Ich denke, das war eines meiner liebsten OBS. Danke an Rembert, Vera, Karsten, Alex, Stefan, Christoph, Julia, Julia, Barbara, Melli, Nisa, Imme, Tacki, Florian, Phillip, Yannick, Thorsten, Eddie, den Monitormischer, „Simmon“, Friederike, Steffi, Anja, Anne, Basti, Archie, David, Frauke, Johannes, Jutta, Lutz, Ingolf, Marcel, Michael, Mike, Sarina, Sina, Uli und wen ich auch immer vergessen habe.

UPDATE: Ullrich Maurer hat auf Gästeliste.de schon den ersten Teil seines Konzertberichts veröffentlicht, inkl. Video

me me me

Control

Januar 31, 2008

Heute abend war ich mit meinem Kumpel Markus Rill endlich in „Control„. Ich hatte schon vor mehr als einem Jahr eine Ankündigung gelesen uns war dementsprechend gespannt. Joy Division haben mir vor allem in meiner Teen Angst Phase mit 13/14 (also 1985/86) sehr viel bedeutet und sind neben den Beatles, Siouxsie & the Banshees und Neil Young sicherlich eine der Bands, die mein Leben in gewisser Weise verändert und geprägt haben.

Trotz aller guten Kritiken bin ich allerdings ziemlich enttäuscht. Ich habe nicht viel Ahnung von Filmkritik, bin aber fleissiger Leser von Todd Alcott und seine Hauptfrage „What does the Protagonist want“ bringt genau mein Problem mit diesem Film auf den Punkt: Man weiss es nicht. Curtis wird mit seinen Eltern gezeigt, bei seinem Job als Arbeitsvermittler, knutschend mit Debbie und später auch als Sänger, aber dieses ganze Leben bleibt seltsam unzusammenhängend. Man weiss nicht, was ihn umtreibt und zu den Dingen veranlasst, die er tut. Er gibt zwar manchmal Statements von sich, wie: „Ich wollte immer nur raus aus Macclesfield“, aber sonderlich anstrengen tut er sich nicht. Im Gegenteil, er heiratet und wird Vater.

Genauso rätselhaft ist der Grund seines Todes: Klar ging es ihm nicht gut, aber warum hat das zum Suizid geführt? Da muss ich Johnny Häusler recht geben: Eine Charakterentwicklung findet nicht statt. Fast alle Figuren bleiben blosse Skizzen; nur der Manager scheint von einem Ziel angetrieben zu sein und liefert auch prompt eine der besten Darstellungen.

Dabei sind viele Darsteller richtig gut: Riley macht den Ian, wie man ihn von den Auftritten her kannte. Samantha Morton spielt Debbie absolut überzeugend, und auch viele Nebenrollen sind gut besetzt. Einzig Alexandra Maria Lara als Annik Honoré macht den Eindruck, als hätte man sie direkt vom GZSZ-set weggecastet; allerdings hat sie auch keine sonderlich dankbare Rolle. Denn was sie und Curtis aneinander finden bleibt ebenso im Dunkeln wie der Grund, warum er Debbie nicht verlässt.

Schade. Ich hatte mir wesentlich mehr davon versprochen und glaube auch, dass sich da mehr hätte rausholen lassen. Aber so bleibt Curtis‘ nur jemand, der jung geheiratet hat und mal in einer Band gesungen hat.

Einhundert Alben

Januar 22, 2008

1. Gram Parsons – G.P. / Grievous Angel
2. Anthology of American Folk Music
3. The Band – The Band
4. Richard Buckner – Since
5. Chavez – Ride the fader
6. Louvin Brothers – Satan is real
7. Giant Sand – Chore of Enchantment
8. Robery Wyatt – Rock Bottom
9. Van Dyke Parks – Song Cycle
10. The Beach Boys – Pet Sounds
11. The Beatles – Rubber Soul
12. Townes van Zandt – Abnormal
13. Guy Clarke – Old No. 1
14. Tortoise – Millions now living will never die
15. Shellac – at Action Park
16. Today is the Day – Supernova
17. John Coltrane – A Love Supreme
18. Grateful Dead – American Beauty
19. Denison Witmer – Are you a dreamer?
20. Evan Dando – Baby I’m bored
21. Merle Haggard – Okie from Muskogee
22. Tom Waits – Big Time
23. Bob Dylan – Time out of mind
24. Buddy Miller – Cruel Moon
25. U.S. Maple – Long Hair in three stages
26. Joy Division – Closer
27. Pink Floyd – Dark Side of the Moon
28. Sonic Youth – Daydream Nation
29. Chris Whitley – Dirt Floor
30. Come – Don’t ask don’t tell
31. Pixies – Dolittle
32. Soundgarden – Down on the upside
33. Senator Flux – Criminal Special
34. Shudder To Think – Ten Spot
35. Fugazi – Repeater
36. David Munyon – Down to the wire
37. Hammerhead – Ethereal Killer
38. John Prine – Souvenirs
39. Calexico – Feast of wire
40. Elliot Smith – Figure 8
41. Nick Cave – Henry’s Dream
42. Sixteen Horsepower – Secret South
43. Chris & Carla – Swinger 500
44. Kolossale Jugend – Heile Heile Boches
45. Talk Talk – Spirit of Eden
46. Radiohead – Kid A / AMnesiac
47. Bläck Fööss – Links eröm, rächts eröm
48. a-ha – East of the sun, west of the moon
49. Gillian Welch – Time (the Revelator)
50. Yo La Tengo – I can hear the heart beating as one
51. Hüsker Dü – Zen Arcade
52. Lambchop – I hope you’re sitting down
53. Hank Williams – Complete Recordings
54. Randy Newman – Little Criminals
55. The Who – Live at Leeds
56. The Cardigans – Long gone before daylight
57. David Poe – Love is red
58. Everything but the girl – Love not money
59. Velvet Underground & Nico
60. Herbie Hancock – Maiden Voyage
61. Original Harmony Ridge Creek Dippers – My own Jo Ellen
62. R.E.M. – New Adventures in Hi Fi
63. Laura Canrell – Not the tremblin’ kind
64. Galaxy 500 – On fire
65. Costelle/Bacharach – Painted from memory
67. Team Dresch – Personal Best
68. Nick Drake – Pink Moon
69. Neil Young – Tonight’s the night
70. Ron Sexsmith – Retriever
71. The Smiths – Hatful of Hollow
72. Rodan – Rusty
73. Siouxsie and The Banshees – Tinderbox
74. Mazzy Star – So tonight taht I might see
75. Lyle Lovett – Step inside this house
76. Arvo Pärt – Tabula Rasa
77. The Byrds – Sweetheart of the Rodeo
78. Bruce Springsteen – The Ghost of Tom Joad
79. Ben Folds Five – Reinhold Messner
80. Prefab Sprout – Steve McQueen
81. Johnny Cash – American Recordings
82. Foyer Des Arts – Die Unfähigkeit, zu frühstücken
83. Lucinda Williams – car wheels on a gravel road
84. Codeine – White Birch
85. Alien Sex Fiend – Acid Bath
86. Marius Müller Westernhagen – Sekt oder Selters
87. F.S.K. – The Sound of Music
88. Cpt. Kirk &. – Reformhölle
89. Palace – Hope
90. Blumfeld – Ich-Maschine
91. Build to spill – Perfect from now on
92. Captain Beefheart – Trout Mask Replika
93. The Cure – The Head on the door
94. Cheval de Friese – Sans Titre
95. Nirvana – In Utero
96. Dziuks Küche – Hauptsache Wind
97. David Bowie – Diamond Dogs
98. Dead Can Dance – DCD
99. Einstürzende Neubauten – Halber Mensch
100. Erdmöbel – Erste Worte Nach Bad Mit Delfinen

(und von jeder Band/jedem Künstler nur eine, und alle nicht in einer bestimmte Reihenfolge. That’s me, zumindest in dieser Hinsicht…)

Form aus Bewegung

September 2, 2007

Ich muss ja zugeben, dass ich hin und wieder sog. „Muckermagazine“ lese; zumeist aus purem Zeitvertreib. So gesehen erfüllen sie also den gleichen Zweck wie die „Gala“ meiner Liebsten, denn bedauerlicherweise haben die meisten Musiker ähnlich viel zu zu erzählen wie Sportler. Gestern habe ich jedoch in der aktuellen Ausgabe von „Drums & Percussion“ ein Interview mit dem mir bislang unbekannten Vibraphonisten Christopher Dell gelesen, dass – wenn auch aus anderer Perspektive – ein paar Gedanken widerspiegelt, die mir vor kurzem beim Hören alter Miles-Davis-Platten gekommen sind:

D&P: „Truth Study“ [ein aktuelles Album seiner Band D.R.A.] geht ja in ihrem Ansatz auf die Rhythmusanalyse des französischen Philosophen Henri Lefèbvre zurück, welche seiner Meinung nach irgendwann die Psychoanalyse ablösen soll, und setzt sich ganz klar mit Wahrheitsfindung auseinander. Was bedeutet Wahrheite für Dich?

Dell: Ich will es mal im musikalischen Kontext ausdrücken: Wir in unserem Kulturkreis denken ja immer, dass Bewegung aus der Form kommt – wie bei Platon: Es gibt eine Gundidee, eine universelle Form, und wir versuchen, dieser gerecht zu werden. Manchmal klappt’s, manchmal klappt’s nicht. So ist ja auch eine Komposition in der Musik angelegt: Es gibt einen Autor, der sich alles ausdenkt, und man versucht als Spieler, dieser Komposition gerecht zu werden und weiss, dass es in der Zeit, in der es passiert, auch irgendwie funktionieren wird.

Der Jazz fußt nun hingegen in einem ganz anderen Prinzip: Man hält die Form so minimal wie möglich und glaubt daran, dass das, was ‚den Jazz‘, die Form, ausmacht, aus der Bewegung entsteht. […] Dieser Ansatz scheint nun ersteinmal lediglich in der Musik zu funktionieren, und viele Leute behaupten auch, das es Quatsch sein, das auf das Leben an sich zu übertragen. Ich persönlich merke aber immer mehr, das wir in unserer Gesellschaft so viel Inkohärenz haben, gerade, weil wir nicht glauben wollen oder nicht in der Lage sind, zu verstehen, dass es die Möglichkeit gibt, dass Form aus Bewegung entsteht.

Daher gibt es Überhänge: Es wird auf der einen Seite immer Flexibilisierung gepredigt, aber andererseits sichern sich die Leute, die das Predigen, so sehr ab, dass sie nie und nimmer in Schwierigkeiten kommen. Andere Leute, die nicht die Möglichkeit dazu haben – dass muss man nämlich lernen -, werden nun als Ich-AGs da rein geschickt, sind natürlich total verloren, haben Angst – und wählen Nazis. So ist das doch leider! Junge Menschen spüren diese Möglichkeit, wollen eigentlich ihren Job gar nicht abreißen, brauchen aber eine Grundsicherheit, auf der man alles Weitere zumindest formal machen kann. Eine Minimalstruktur – die aber nicht gegeben wird.

Man kämpft sich also ständig dagegen ab, muss gleichzeitig abends die Eltern, die sich noch in dem alten Modell bewegen, anrufen, sagen, dass das alles schon werden wird, und sich trotzdem ein Modell improvisieren, in dem man das alles macht. Da will ich mal wieder Rudi Völler zitieren, denn es geht nicht darum, etwas zu müssen, sondern etwas zu dürfen: Das Dürfen ist eine Chance!

Das möchte ich jetzt nicht FDP-mäßig verbrämen, aber wir sollten uns eine Bewegung in Kleingruppen oder wie auch immer schaffen, um uns gegenseitig zu unterstützen. Alleine werden wir es nämlich nicht schaffen – Ich-AGs sind Bullshit! Wir sind zwar total individualisiert, aber gleichzeitig bewegen wir uns eben ständig auf einer Massenoberfläche, die uns entrückt von dem, was wir eigentlich selber sind.

Aber es geht darum, seine Individualität in einem Zusammenspiel mit Freunden oder Gleichgesinnten zu finden. Das alles steckt für mich nun im Jazz und in dem ganzen Überbau des Lebens, der sogenannten Wahrheit, drin: Man muss kein Ideal suchen, sondern einfach nur genau hinschauen, was sich aus dem Leben selbst – als Bewegung – ergeben kann, und dann muss ich schauen, wie dabei die Rhythmen sind.

Genau das hat Lefèbvre nun erkannt: Es geht nicht mehr um gewisse Räume und Regionen, um gewisse Pläne, die verschaltet sind, sondern um Rythmen, darum, dass wir annehmen, das unser Handeln strukturierend wirkt.

Das klingt ja erstmal hanebüchen, aber wenn wir darüber nachdenken, heisst es doch, dass wir an sich ganz selten darauf vertrauen, das unser Handeln die Zeit strukturiert. Darum geht’s aber. Dieses Vertrauen muss man entwickeln. […] Wie Joseph Beuys das mit dem erweiterten Kunstbegriff gemacht hat, so ist das für mich eben der erweiterte Musikbegriff. Das klingt jetzt alles ziemlich abgehoben und abstrakt, aber gerade die jungen Leute merken doch zumindest unbewusst, um was es geht, in wie vielen polyrhythmischen Schichte sie im urbanen Leben so verschaltet sind. Das macht auf der einen Seite Spass, ist aber andererseits auch wahnsinnig anstrengend. Mit diesem Druck musst Du umgehen lernen und Dich organisieren, um die darin steckende Energie zu erleben und positiv umsetzen zu können.“
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Vielleicht ist es mit dem Christentum ja genauso: Die Form war da (als Gottes Wort), und alle Bewegung konnte nur als von der Form authorisiert passieren. Da die Postmoderne aber erkannt hat, dass es es eine allgemeingültige Interpretation grosser Teile der Bibel nicht geben kann, sollte man überlegen, in wie weit das Handeln selber eine Form hervorbringen kann. Das schliesst auch an die „Little Theologies“ von Karen Ward (nachzulesen in dem Band „Listening to the Beliefs of Emerging Churches„) und überhaupt an die Betonung der Orthopraxie in der Emerging Conversation an.

Haso hatte ja vor einiger Zeit das schöne Beispiel, dass das Wort Gottes quasi die Partitur sei, und wir die Spieler, die es in immer neuen Kontexten zum Leben erwecken. Vielleicht muss man das aber noch viel radikaler sehen und der Übergang von der Moderne zur Postmoderne gleicht eher einem Übergang von der Klassik zum Jazz: Es gibt keine Partitur, sondern nur die Improvisation. Die Grundlage, ‚der Jazz‘ ist der Geist Gottes, aus dem wir leben und der eine Minimalform bildet und gleichzeitig doch so immens gross ist (Siehe auch Peter Rollins Konzept der Hypernymität). Und da wir quasi gezwungen sind, Cluster (z.B. Gemeinden) zu bilden, müssen wir zuhören und erkennen, nach welchen Rhythmen sich die anderen bewegen und wie man da einsteigen kann – oder eben nicht.

Und Gottes Geist wirkt eben nicht nur in der Kiche, wir könnten sehen, wo es andere interessante Rhythmen gibt, mit denen man sich vernetzen kann, was wiederum neue Formen hervorbringt. Diese Formen müssen dann auch nicht automatisch von Dauer sein, sondern dürfen eher zweckgebunden funktionieren. In wie weit das von Nachteil ist, wird man sehen müssen.

Das ist natürlich eine völlig radikale und individualisierte Abkehr von einem traditionellen Kirchenverständnis, aber es könnte ein Weg sein, in der Postmoderne mit Gott zu leben.

Team Dresch

Juli 20, 2007

Mit meinem Kumpel Dennis, mit dem ich Germanistik in Bonn studierte, habe ich immer Platten getauscht. Eines Tages brachte er mir „Personal Best“ von Team Dresch mit und ich weiss noch, das ich die knappen 25 Minuten, die die Platte gedauert hat, mit offenem Mund vor dem Plattenspieler gesessen habe.

Ich kenne kaum keine Platte einer Band, die mich so dermassen emotional berührt hat – Obwohl deren Probleme nicht die meinen waren. Was die da gemacht haben, war die beste halbe Stunde Punkrock, die ich je gehört habe. Besser als Nirvana, besser als Hole sowieso und was man damals noch so gehört hat.

„Personal Best“ gibts übrigens auch auf iTunes; muss man gehört haben, finde ich. Beim 2. Album, Captain my Captain, war’s schon wieder vorbei.

12 Jahre später gibt es die Band wieder, nächstes Jahr soll es auch ein neues Album geben. Coole Sache, aber „Personal Best“ war das Album, wo alles zusammen kam.

NACHTRAG: Dennis, die alte Krampe, hat Team Dresch damals tatsächlich live gesehen. InKöln, zusammen mit Bikini Kill.

Und ich weiss auch noch, wie todpeinlich die diesen erbärmlichen Song der Schülerband Tocotronic fand…