Kunstneutralität

November 20, 2008

Nur mal ein kurzer Gedanke, nicht zuletzt, weil ich mich neulich erst wieder fremdschämen musste. Einer meiner wichtigsten Lektionen als Musiker war folgende: Wenn Du Deine Zuhörer emotional berühren willst, dann stelle Deine eigenen Emotionen nicht zur Schau. Denn damit sagst Du zum einen, dass Du dem Material nicht vertraust, sondern Dein Publikum für Äffchen hältst, die Dir schon nachmachen werden, was Du ihnen vorspielst, zum anderen zeigst Du, dass es im Grunde um Dich geht und nicht um den Song, und das ist die grösste Illusion, die sich ein Musiker m. E. machen kann. Wenn Du eine gewisse Distanz zwischen Deiner Person und Deiner Musik nicht bewahren kannst, hast Du bereits verloren. Pathos wird Dich nur lächerlich machen, denn jeder wird instinktiv wissen: Der Musiker möchte eine bestimmte Reaktion hervorrufen und seine Zuhörer emotional manipulieren. Du hast aber nur eine reelle Chance: Du musst Deinem Publikum die Wahl lassen, wie es sich zum Dargebotenen verhalten kann, und das geht nur durch eine gewisse persönliche Neutralität dem Material gegenüber. Alles andere ist Verarschung und eine Lektion sollte sich jeder Musiker sowieso immer ganz vorne ins Heft schreiben: Unterschätze Dein Publikum nicht. Niemals.

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Eine Antwort to “Kunstneutralität”

  1. liebesboot Says:

    Abweichende Meinung, Euer Ehren! Pathos, klar das muss nicht sein, das Inszenieren von Emotionen, gerne auch über Videoleinwände, das ist nix gut. Aber hat ja auch immer alles die andere Seite: Wie denn bitte mache ich Musik, ohne emotional beteiligt zu sein. Ohne die Dinge die ich vortrage, die ich musiziere und dann auch singe auch zu fühlen? Und dann soll ich mich hinstellen und diese emotionale Beteiligung überspielen? Damit ich mein Publikum nicht manipuliere?

    Das geht doch nicht gut. also, wie immer bei den Emotionen gilt: sei authentisch und dann wird alles gut!


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