Doctrin Schmocktrin

Januar 23, 2008

Nach einigen Monaten habe ich mich heute wieder mal mit einer Bekannten zum Mittagessen getroffen. Wir sind uns vor über 10 Jahren schonmal begegnet; damals kannten wir uns allerdings nicht sondern hatten nur gemeinsame Freunde. Irgendwann rief sie dann mal in unserem Büro an, weil sie u.a. auch Interviews für das Portal macht, bei dem ich arbeite. Es stellte sich dann heraus, das wir bizarr viele gemeinsame Bekannte haben, sie ebenfalls Musik macht und wir dazu auch noch eine sehr grosse musikalische Geschmacksschnittmenge haben.

Wir überlegten im letzten Jahr, einige gemeinsame Projekte zu machen, haben uns dann aber auch auch durch Tod meines Vaters und ihrer Trennung von ihrem Mann aus den Augen verloren. Jetzt wollen wir es mal wieder versuchen, ganz vorne auf der Liste steht die Gründung eines Verlages, um ihre exzellenten Songs vermarkten zu können.

Jedenfalls erzählte sie, dass sie letztes Jahr in den USA auf einer riesigen Veranstaltung von Joyce Mayer war und sie eine sehr spiritueller Mensch sei, der sich viel mit diesen Dingen beschäftige. Ich hatte so etwas geahnt, mich aber sehr gefreut, dass ich mich mit ihr über spirituelle Dinge unterhalten kann. Ihren Ansatz hätte man in den 80gern vielleicht am ehesten mit „New Age“ bezeichnet (gibt es eigentlich Leute, die diesen Ausdruck noch benutzen?); generell ist sie der Auffassung, das es viele Wege zu Gott gibt und Jesus ein durchaus legitimer sei.

Ich erzählte ihr von meiner Gemeinde, was sie sehr zu interessieren schien, da sie als katholisches Mädel in Bayern nie eine andere Art Gottesdienst als den klassischen Katholischen mitbekommen hat. Was ich aber wirklich schwierig fand, war ihr gegenüber den Absolutheitsanspruch des Christentums zu begründen. Ich hatte zwar irgendwie das Bedürfnis, ihr gegenüber „Position zu beziehen“, aber es erschien mir falsch, darauf herumzureiten.

Mir geht das ähnlich sobald irgendwo der Begriff „Doktrin“ in einem christlichen Zusammenhang auftaucht. Ich glaube nicht, dass es Jesus darum ging, ein paar hübsche Lehrsätze in die Welt zu setzen, die das Ticket in den Himmeln sichern, wenn man sie nur glaubt. Ich sehe da vielmehr eine extrem dynamische Möglichkeit, das eigene Leben zu ändern und eben frei zu sein von den Zwängen, zu denen für mich auch eine Doktrin gehören würden. Mir reicht es, wenn jemand Interesse an Jesus hat und bereit ist, sich und sein Leben, Fühlen und Denken von ihm verändern zu lassen. Ob er nun an die Jungfrauengeburt oder oder die Wunder oder sonstwas glaubt, ist mir total egal. Wer diesen Weg in aller Konsequenz geht, den wird Gott verändern, und darauf kommt es m.M. nach an. Wer weiss, was ich derzeit für einen Scheiss glaube. Vielleicht werde ich die Dinge in ein paar Jahren ganz anders sehen, aber Jesus wird immer noch der selbe sein. Und für mich ist er der Dreh- und Angelpunkt.

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