Control

Januar 31, 2008

Heute abend war ich mit meinem Kumpel Markus Rill endlich in „Control„. Ich hatte schon vor mehr als einem Jahr eine Ankündigung gelesen uns war dementsprechend gespannt. Joy Division haben mir vor allem in meiner Teen Angst Phase mit 13/14 (also 1985/86) sehr viel bedeutet und sind neben den Beatles, Siouxsie & the Banshees und Neil Young sicherlich eine der Bands, die mein Leben in gewisser Weise verändert und geprägt haben.

Trotz aller guten Kritiken bin ich allerdings ziemlich enttäuscht. Ich habe nicht viel Ahnung von Filmkritik, bin aber fleissiger Leser von Todd Alcott und seine Hauptfrage „What does the Protagonist want“ bringt genau mein Problem mit diesem Film auf den Punkt: Man weiss es nicht. Curtis wird mit seinen Eltern gezeigt, bei seinem Job als Arbeitsvermittler, knutschend mit Debbie und später auch als Sänger, aber dieses ganze Leben bleibt seltsam unzusammenhängend. Man weiss nicht, was ihn umtreibt und zu den Dingen veranlasst, die er tut. Er gibt zwar manchmal Statements von sich, wie: „Ich wollte immer nur raus aus Macclesfield“, aber sonderlich anstrengen tut er sich nicht. Im Gegenteil, er heiratet und wird Vater.

Genauso rätselhaft ist der Grund seines Todes: Klar ging es ihm nicht gut, aber warum hat das zum Suizid geführt? Da muss ich Johnny Häusler recht geben: Eine Charakterentwicklung findet nicht statt. Fast alle Figuren bleiben blosse Skizzen; nur der Manager scheint von einem Ziel angetrieben zu sein und liefert auch prompt eine der besten Darstellungen.

Dabei sind viele Darsteller richtig gut: Riley macht den Ian, wie man ihn von den Auftritten her kannte. Samantha Morton spielt Debbie absolut überzeugend, und auch viele Nebenrollen sind gut besetzt. Einzig Alexandra Maria Lara als Annik Honoré macht den Eindruck, als hätte man sie direkt vom GZSZ-set weggecastet; allerdings hat sie auch keine sonderlich dankbare Rolle. Denn was sie und Curtis aneinander finden bleibt ebenso im Dunkeln wie der Grund, warum er Debbie nicht verlässt.

Schade. Ich hatte mir wesentlich mehr davon versprochen und glaube auch, dass sich da mehr hätte rausholen lassen. Aber so bleibt Curtis‘ nur jemand, der jung geheiratet hat und mal in einer Band gesungen hat.


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Doctrin Schmocktrin

Januar 23, 2008

Nach einigen Monaten habe ich mich heute wieder mal mit einer Bekannten zum Mittagessen getroffen. Wir sind uns vor über 10 Jahren schonmal begegnet; damals kannten wir uns allerdings nicht sondern hatten nur gemeinsame Freunde. Irgendwann rief sie dann mal in unserem Büro an, weil sie u.a. auch Interviews für das Portal macht, bei dem ich arbeite. Es stellte sich dann heraus, das wir bizarr viele gemeinsame Bekannte haben, sie ebenfalls Musik macht und wir dazu auch noch eine sehr grosse musikalische Geschmacksschnittmenge haben.

Wir überlegten im letzten Jahr, einige gemeinsame Projekte zu machen, haben uns dann aber auch auch durch Tod meines Vaters und ihrer Trennung von ihrem Mann aus den Augen verloren. Jetzt wollen wir es mal wieder versuchen, ganz vorne auf der Liste steht die Gründung eines Verlages, um ihre exzellenten Songs vermarkten zu können.

Jedenfalls erzählte sie, dass sie letztes Jahr in den USA auf einer riesigen Veranstaltung von Joyce Mayer war und sie eine sehr spiritueller Mensch sei, der sich viel mit diesen Dingen beschäftige. Ich hatte so etwas geahnt, mich aber sehr gefreut, dass ich mich mit ihr über spirituelle Dinge unterhalten kann. Ihren Ansatz hätte man in den 80gern vielleicht am ehesten mit „New Age“ bezeichnet (gibt es eigentlich Leute, die diesen Ausdruck noch benutzen?); generell ist sie der Auffassung, das es viele Wege zu Gott gibt und Jesus ein durchaus legitimer sei.

Ich erzählte ihr von meiner Gemeinde, was sie sehr zu interessieren schien, da sie als katholisches Mädel in Bayern nie eine andere Art Gottesdienst als den klassischen Katholischen mitbekommen hat. Was ich aber wirklich schwierig fand, war ihr gegenüber den Absolutheitsanspruch des Christentums zu begründen. Ich hatte zwar irgendwie das Bedürfnis, ihr gegenüber „Position zu beziehen“, aber es erschien mir falsch, darauf herumzureiten.

Mir geht das ähnlich sobald irgendwo der Begriff „Doktrin“ in einem christlichen Zusammenhang auftaucht. Ich glaube nicht, dass es Jesus darum ging, ein paar hübsche Lehrsätze in die Welt zu setzen, die das Ticket in den Himmeln sichern, wenn man sie nur glaubt. Ich sehe da vielmehr eine extrem dynamische Möglichkeit, das eigene Leben zu ändern und eben frei zu sein von den Zwängen, zu denen für mich auch eine Doktrin gehören würden. Mir reicht es, wenn jemand Interesse an Jesus hat und bereit ist, sich und sein Leben, Fühlen und Denken von ihm verändern zu lassen. Ob er nun an die Jungfrauengeburt oder oder die Wunder oder sonstwas glaubt, ist mir total egal. Wer diesen Weg in aller Konsequenz geht, den wird Gott verändern, und darauf kommt es m.M. nach an. Wer weiss, was ich derzeit für einen Scheiss glaube. Vielleicht werde ich die Dinge in ein paar Jahren ganz anders sehen, aber Jesus wird immer noch der selbe sein. Und für mich ist er der Dreh- und Angelpunkt.

Einhundert Alben

Januar 22, 2008

1. Gram Parsons – G.P. / Grievous Angel
2. Anthology of American Folk Music
3. The Band – The Band
4. Richard Buckner – Since
5. Chavez – Ride the fader
6. Louvin Brothers – Satan is real
7. Giant Sand – Chore of Enchantment
8. Robery Wyatt – Rock Bottom
9. Van Dyke Parks – Song Cycle
10. The Beach Boys – Pet Sounds
11. The Beatles – Rubber Soul
12. Townes van Zandt – Abnormal
13. Guy Clarke – Old No. 1
14. Tortoise – Millions now living will never die
15. Shellac – at Action Park
16. Today is the Day – Supernova
17. John Coltrane – A Love Supreme
18. Grateful Dead – American Beauty
19. Denison Witmer – Are you a dreamer?
20. Evan Dando – Baby I’m bored
21. Merle Haggard – Okie from Muskogee
22. Tom Waits – Big Time
23. Bob Dylan – Time out of mind
24. Buddy Miller – Cruel Moon
25. U.S. Maple – Long Hair in three stages
26. Joy Division – Closer
27. Pink Floyd – Dark Side of the Moon
28. Sonic Youth – Daydream Nation
29. Chris Whitley – Dirt Floor
30. Come – Don’t ask don’t tell
31. Pixies – Dolittle
32. Soundgarden – Down on the upside
33. Senator Flux – Criminal Special
34. Shudder To Think – Ten Spot
35. Fugazi – Repeater
36. David Munyon – Down to the wire
37. Hammerhead – Ethereal Killer
38. John Prine – Souvenirs
39. Calexico – Feast of wire
40. Elliot Smith – Figure 8
41. Nick Cave – Henry’s Dream
42. Sixteen Horsepower – Secret South
43. Chris & Carla – Swinger 500
44. Kolossale Jugend – Heile Heile Boches
45. Talk Talk – Spirit of Eden
46. Radiohead – Kid A / AMnesiac
47. Bläck Fööss – Links eröm, rächts eröm
48. a-ha – East of the sun, west of the moon
49. Gillian Welch – Time (the Revelator)
50. Yo La Tengo – I can hear the heart beating as one
51. Hüsker Dü – Zen Arcade
52. Lambchop – I hope you’re sitting down
53. Hank Williams – Complete Recordings
54. Randy Newman – Little Criminals
55. The Who – Live at Leeds
56. The Cardigans – Long gone before daylight
57. David Poe – Love is red
58. Everything but the girl – Love not money
59. Velvet Underground & Nico
60. Herbie Hancock – Maiden Voyage
61. Original Harmony Ridge Creek Dippers – My own Jo Ellen
62. R.E.M. – New Adventures in Hi Fi
63. Laura Canrell – Not the tremblin’ kind
64. Galaxy 500 – On fire
65. Costelle/Bacharach – Painted from memory
67. Team Dresch – Personal Best
68. Nick Drake – Pink Moon
69. Neil Young – Tonight’s the night
70. Ron Sexsmith – Retriever
71. The Smiths – Hatful of Hollow
72. Rodan – Rusty
73. Siouxsie and The Banshees – Tinderbox
74. Mazzy Star – So tonight taht I might see
75. Lyle Lovett – Step inside this house
76. Arvo Pärt – Tabula Rasa
77. The Byrds – Sweetheart of the Rodeo
78. Bruce Springsteen – The Ghost of Tom Joad
79. Ben Folds Five – Reinhold Messner
80. Prefab Sprout – Steve McQueen
81. Johnny Cash – American Recordings
82. Foyer Des Arts – Die Unfähigkeit, zu frühstücken
83. Lucinda Williams – car wheels on a gravel road
84. Codeine – White Birch
85. Alien Sex Fiend – Acid Bath
86. Marius Müller Westernhagen – Sekt oder Selters
87. F.S.K. – The Sound of Music
88. Cpt. Kirk &. – Reformhölle
89. Palace – Hope
90. Blumfeld – Ich-Maschine
91. Build to spill – Perfect from now on
92. Captain Beefheart – Trout Mask Replika
93. The Cure – The Head on the door
94. Cheval de Friese – Sans Titre
95. Nirvana – In Utero
96. Dziuks Küche – Hauptsache Wind
97. David Bowie – Diamond Dogs
98. Dead Can Dance – DCD
99. Einstürzende Neubauten – Halber Mensch
100. Erdmöbel – Erste Worte Nach Bad Mit Delfinen

(und von jeder Band/jedem Künstler nur eine, und alle nicht in einer bestimmte Reihenfolge. That’s me, zumindest in dieser Hinsicht…)

Colony Collapse Disorder

Januar 18, 2008

Ich hatte bislang noch nichts davon gehört, aber offenbar sind im letzten Jahr in den USA Milliarden von Bienen einfach verschwunden – und niemand hat eine Erklärung dafür. Sollte sich das Phänomen in diesem Jahr wiederholen, werden über die Hälfte der professionellen Bienenzüchter ihren Betrieb aufgeben müssen, was schon schlimm genug ist. Aber Experten gehen davon aus, das dies einen Signifikanten Einfluss auf die gesamte Nahrungskette haben wird.

Derzeit dreht ein Team von Filmemachern eine Dokumentantion darüber. Den vielversprechenden Trailer kann man sich hier bereits anschauen. Allerdings werden noch weitere finanzielle Mittel für die Fertigstekkung benötigt.

Spenden kann man ebenfalls hier.

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What light?

Januar 9, 2008

Etwas, das ich ganz gut kann: Nachts wach liegen und mir Sorgen machen. Seltsam, wie anders alles aussieht, wenn es Tag ist. Aber was ist realer? Das „wird-schon-irgendwie-gut-gehen“ des Tages oder die luftabschneidende Angst der Nacht?

Und dann morgens vorm Rechner sitzen und lesen, das eines meiner Lieblingsblogs die myspace-Seite meiner Combo verlinkt hat. Hach. Und dann noch: Dieses Video zu entdecken:

Nels Cline sollte irgendwie König von irgendwas sein. Schön, das er endlich die Anerkennung zu bekommen scheint, die er schon lange verdient hat. Wird alles gut?

Ach ja: Die Combo (The Henry Reyels Band) spielt am Sonntag in der Junction Bar in der Kreuzberger Gneisenaustr. Kommt doch vorbei und gebt mir einen Grund, mir keine Sorgen zu machen.

Keiko Cummings
Photo: Keiko Cummings

Ich kriege gleich einen Herzinfarkt: Auf der Jandek mailingliste hat eben jemand geschrieben, das Jandek angeblich im Rahmen der transmediale am 2.2. …gasp… in Berlin spielen soll. Seit er vor einigen Jahren angefangen hat, Konzerte zu spielen denke ich darüber nach, ihn wegen eines Berliner Konzertes zu kontaktieren, aber der Aufwand war mir immer viel zu hoch. Das wäre echt der Hammer.

Auf der transmediale-Seite steht noch nichts; eben habe ich im Büro angerufen und die Frau dort meinte, das ihr der Name „bekannt vorkäme“, sie aber momentan nichts finden könne. Immerhin hat sie mir versprochen, mir eine mail zu schreiben, sobald sie mehr rausfindet.

Wer Jandek nicht kennen sollte: Hier gibt es mehr über ihn. Er macht seit 1978 Platten, ist aber bis 2004 komplett anonym geblieben. Es gab nur ein einziges Interview aus den 80gern, und um die Platten zu kaufen musste man Geld an ein Postfach in Houston schicken. Viel mehr weiss man eigentlich immer noch nicht, aber es gibt es seit dem einige Konzerte.

2004 erschien auch eine sehr empfehlenswerte Dokumentation über das Mysterium Jandek mit dem Namen „Jandek on Corwood“ auf DVD. Ich muss allerdings bemerken, dass seine Musik für einen Charts-Sozialisierten Höhrer, äh, etwas gewöhnungsbedürftig ist. (Irgendjemand hat ihm eine myspace-Seite mit ein paar Songs eingerichtet). „Aquired taste“, sagt der Amerikaner wohl dazu. Caveat Emptor.

UPDATE: Habe gerade eine mail vom transmediale-Büro bekommen: Jandek war im Gespräch, aber daraus ist leider nichts geworden. Scheisse. Muss ich wohl doch mal selber tätig werden…