thank you

Oktober 3, 2007

icu

Er liegt da und schläft. Es gibt nach wie vor keine negativen Nachwirkungen der Bypass-OP, die Lungenentzündung bessert sich von Tag zu Tag und all seine Werte sind stabil. Nur aufwachen will er nicht. Heute ist der dritte Tag, an dem er kein Schlafmittel mehr bekommt, aber bis darauf, dass er manchmal kurz die Augen offen hat, ohne etwas zu erkennen, passiert nichts.

Die Schwester weisst darauf hin, dass es desto länger mit dem Aufwachen dauern kann, je älter der Patient ist und je länger die Narkose war, aber mein Vater ist 80 Jahre alt und seine Arterien sind verkalkt; wer weiss, was sich in der letzten Woche in seinem Hirn abgespielt hat? Ob er träumt? Manchmal sieht es aus, als hätte er Schmerzen. Ich wünschte, ich könnte bei ihm sein, wenn er langsam wieder aufwacht. Er wird sicher Angst haben, weil er nicht wissen wird, wo er ist und was passiert ist.

Die Liebste ist heute Mittag wieder zurück nach Berlin gefahren. Sie war seit Samstag da und war wirklich eine grosse emotionale Hilfe. Gerade bin ich wieder zurück aus dem Krankenhaus gekommen, in diese leere Wohnung, die mein Vater sonst so selten verlassen hat…

Samstag fährt mein Bruder, mit dem ich mich bis jetzt jeden Tag im KH getroffen habe, für eine Woche an die Nordsee. Er hatte eigentlich Zweifel, aber ich habe ihm dazu geraten, denn er arbeitet sehr viel für sehr wenig Geld und hat 3 kleine Kinder. Ich gönne ihm jede Erholung, die er kriegen kann. Die nächste Woche werde ich dann noch hier bleiben; dann: mal sehen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Allein-sein momentan so belastet.

In dem Buch, das ich gerade gelesen habe, gibt es ein Gedicht, dass mich sehr berührt hat, und wie sich das mit Kunst gehört, weiss ich gar nicht genau, warum. Es ist wohl eher das Thema Dankbarkeit und nicht die Begriffe, die auch gerade in meinem Leben eine zentrale Rolle spielen.

Ich tippe das jetzt einfach mal ab, obwohl ich weiss, dass ich das nicht darf. Aber machmal sind Copyrights eben auch nur scheissegal.

Thanks

Listen
with the night falling we are saying thank you
we are stopping on the bridge to bow from the
railings
we are runniung out of the glass rooms
with our mouths full of food to look at the sky
and say thank you we are standing by the water
looking out
in different directions

back from a series of hospitals back from a
mugging
after funerals we are saying thank you
after news of the dead
whether or not we knew them we are saying thank
you
in a culture up to its chin in shame
living in the stench it has chosen we are saying
thanks you

over telephones we are saying thank you
in doorways and in the backs of cars and in
elevators
remembering wars and the police at the back door
and the beatings on the stairs we are saying thank
you

in the banks that use us we are saying thank you
with the crooks in the office with the rich and the
fashionable
unchanged we go on saying thank you thank you

with the animals dying around us
our lost feelings we are saying thank you
with the forests falling faster than the minutes
of our lives we are saying thank you
with the words going out like the cells of a brain
with the cities growing faster over us like the earth
we are saying thank you faster and faster
with noboby listening we are saying thank you
we are saying thank you thank you and waving
dark though it is.

W.S. Merwin

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3 Antworten to “thank you”

  1. liebesboot Says:

    Ich wünsche Dir viel Kraft. Das klingt möglicherweise pathetisch, aber es ist genau das, was ich Dir wünsche!

  2. derkeks Says:

    Du glaubst gar nicht, wie schwer es mir gefallen ist, wieder nach Hause zu fahren!! Es tut mir sooo leid, dass Du jetzt wieder allein bei Deinem Vater bist, aber ich drücke Dir so sehr die Daumen, dass es stetig bergauf geht und er bald mit dem Infusionsständer durchs Krankenhaus wandert! In Gedanken bin ich immer bei euch, cara mia!!!

  3. Mr. Nap Says:

    Hoffe das es Deinem Vater wieder besser geht.
    Wenn Dir die Decke auf dem Kopf fällt, meld Dich bei mir, wenn Du willst.


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