Nicht, das gleich wieder einer um die Ecke kommt und schreit „Antiamerkanismus! Bäh!“, aber könnte es nicht vielleicht sein, das wir hier eine US-Amerikanische Spielart der evangelikalen Angst haben, ja nicht vom „schmalen Weg“ abzuweichen und mit Jesus bloß alles richtig machen zu müssen, weil man sonst SOFORT in die Hölle kommt? Denn mit Patriotismus scheint man so ziemlich jeden Bewohner dieses wunderschönen und von vielen netten Menschen bewohnten Landes zu kriegen. Und wenn man die erwähnte Angst, die ja immer ein schlechter Ratgeber ist, geschickt mit der angeblich omnipräsenten Terrorgefahr und solidem Halbwissen verbindet, ist das zwar komplett daneben, aber man kann um so besser auf alles einschlagen, was man nicht verstehen kann.

Ihr seid komisch, ihr Christen.
via

Team Dresch

Juli 20, 2007

Mit meinem Kumpel Dennis, mit dem ich Germanistik in Bonn studierte, habe ich immer Platten getauscht. Eines Tages brachte er mir „Personal Best“ von Team Dresch mit und ich weiss noch, das ich die knappen 25 Minuten, die die Platte gedauert hat, mit offenem Mund vor dem Plattenspieler gesessen habe.

Ich kenne kaum keine Platte einer Band, die mich so dermassen emotional berührt hat – Obwohl deren Probleme nicht die meinen waren. Was die da gemacht haben, war die beste halbe Stunde Punkrock, die ich je gehört habe. Besser als Nirvana, besser als Hole sowieso und was man damals noch so gehört hat.

„Personal Best“ gibts übrigens auch auf iTunes; muss man gehört haben, finde ich. Beim 2. Album, Captain my Captain, war’s schon wieder vorbei.

12 Jahre später gibt es die Band wieder, nächstes Jahr soll es auch ein neues Album geben. Coole Sache, aber „Personal Best“ war das Album, wo alles zusammen kam.

NACHTRAG: Dennis, die alte Krampe, hat Team Dresch damals tatsächlich live gesehen. InKöln, zusammen mit Bikini Kill.

Und ich weiss auch noch, wie todpeinlich die diesen erbärmlichen Song der Schülerband Tocotronic fand…

Spießigkeit 2.0

Juli 19, 2007

Habe mich die letzten Tage nebenbei mal ein bißchen in die Wikipedia eingelesen und auch meiner ersten beiden Artikel verfasst. Aber, meine Herren, der durchschnittliche Wikipedianer ist ja ein komplett humorbefreites und korithenkackendes Wesen! Man lese sich nur mal die Löschantragsdiskussionen durch. Irgendjemand spricht immer irgend einem Eintrag die „fehlende Relevanz“ ab. Als ob es darum gehen würde, keinen Speicherplatz zu verschwenden. Sind das alles Leute, die keine Beamtenjobs bekommen haben, bei denen sie sich an völlig obsolete und realitätsferne Richlinien halten können? In meiner Welt ist der neulich verstorbene Gitarrist von Madrugada selbstverständlich einen eigenen Eintrag Wert!

Das eine Band wie Boss Hoss die Columbiahalle füllt (zweimal), liegt mit Sicherheit weniger an ihrer (wieauchimmergearteten) Qualität, als an der Entscheidung Universals, auf einen (schon lange fahrenden) Zug aufzuspringen und mal eben ordentlich Geld auszugeben. Sowas trifft natürlich immer die Falschen. Hätte es die richtigen (Im Sinne von: The good guys) getroffen, würden an diesem Samstag nicht The Twang, sondern diese Berliner Cowboyhutträger im Bassy spielen. So ist es aber nicht, und vielleicht sollte man sogar froh darüber sein.

Was ich aber eigentlich sagen sollte: Wenn sich jemand „Pioneers of countryfication“ auf die Website pappen darf, dann The Twang. Nee, eigentlich wollte ich sagen: Samstag abend gehe ich in den Bassy und schau mir The Twang an. Und freue mich sehr drauf. Ausserdem spielt Hartmut El Kurdi mit. Was alleine schon reichen sollte.

„Eine Mischung aus Freakshow, Ratespiel und Vortrag über die Möglichkeiten der Musiktransplantation in den Zeiten der Tonträgerabsatzkrise. Nicht zufällig sehen sie aus wie die ehemalige Vorgruppe von Siegfried & Roy, und damit kommentieren sie die nur an der Oberfläche eisern gültigen sexuellen Gesetze der Countrymusik und ihre ebenfalls nur scheinbare Glamour-Feindlichkeit. Twang ist ein Spaß, den jeder versteht, und einem guten Zweck dient er auch noch, indem verletzten, verstoßenen oder sonstwie ihrer Würde beraubten Liedern ein neues Zuhause gegeben wird.“
(Franz Dobler/Süddeutsche Zeitung)

Bis Samstag.

Juli 18, 2007

Es ist jetzt 2:38 und seit gut zwei Stunden stehen drei betrunkene Russen unten vor unserer Haustür und… tun halt Dinge, die betrunkene Männer so machen, um mich vom Schlafen abzuhalten. Dazu schmerzt der Wespenstich von heute morgen noch beträchtlich. Auf der Fahrt ins Büro hat sich eines der Viecher zwischen meinen Fingern am Lenker verfangen und obwohl ich es sofort abgeschüttelt habe, wurde sofort gestochen – ohne vorher mal zu fragen, ob sich die Situation vielleicht auch gewaltfrei und verliererlos hätte lösen lassen. Jetzt ist der rechte Zeigefinger dick und rot, was mich – also ersteres, die Farbe meiner Extremitäten hat da nur wenig Einfluß drauf – doch schon merklich am Pedal-Steel spielen hindert. Nicht schön.

Was noch? Ach ja, wir haben seit einem Monat eine Basilikum-Pflanze in der Küche, welche trotz fortgesetztem Blätterabgezupfe IMMER NOCH LEBT! Nicht nur das: Sie blüht auch noch und wuchert vor sich hin, als käme der Papst aus Deutschland. Danke, Basilikumpflanze, danke Papst aus Deutschland.

Und noch was:
Hallo Pagans! Auch, wenn ihr euch angepisst fühlt: Darüber lache ich dank boingboing jetzt schon 2 volle Tage:

So. Nach diversen Gaben von Alkohol versuche ich jetzt nochmal zu schlafen. Sehen uns.

Was geht.

Juli 17, 2007

Das Leben besteht derzeit zumeist aus dem Wegschaufeln von Arbeit. An künstlerseitigem Interesse mangelt es meiner kleinen bookingagentur am Rande der Stadt nicht – leider verstehen die Amerikaner einfach nicht, dass hier andere Gesetzmäßigkeiten gelten als in „God’s own country“. Dort scheint es ohne weiteres Möglich zu sein, eine komplette Tour 2 Monate im vorraus zu buchen, in Deutschland schiebt sich das immer weiter nach vorn und wir sind jetzt schon bei mindestens sechs Monaten.

Aber ich kann natürlich nicht nein sagen, schon gar nicht bei bei zwei Künstlern, die ich wirklich grossartig finde. Das Elend des Pizzaservice: Man kann das Telefon nicht nicht abheben.

So versuche ich, mit möglichst wenig Arbeit (die ich ja nicht bezahlt bekomme) und noch weniger Lügen den Leuten klar zu machen, dass sich für Oktober nichts mehr holen lässt. Nicht ganz einfach.

Dafür sieht es an der eigenen musikalischen Front recht gut aus. Wir hatten zwischendurch auch mal ein richtig katastrophale Probe und Henry hat sich leider auch von dem gerade neu gefundenen Bassisten getrennt (was ich sehr schade fand, weil ich ihn total gerne mochte und wir auch bizarr viele gemeinsame Bekannte hatten – wohl ein reiner Zufall, das wir uns nicht schon vorher über den Weg gelaufen sind), aber ich freue mich total auf das Festival am 27.7.

(Achtung! Es folgt Mucker-content!)
Im Zuge der ganzen, neuen Bandgeschichte habe ich auch mein Equipment etwas umgebaut und aufgerüstet. Für den Hausgebrauch habe ich bislang über einen POD 2.0 und, ähh, Computerboxen gespielt, das ging ganz gut, stellte sich aber als völlig unbrauchbar für die Proben heraus – trotzdem wir die leiseste Band der Welt sind.

Ich hatte mir vor einem halben Jahr ja einen alten Fender Twin Reverb gekauft, der aber leider so billig wie extrem alterschwach war und erstmal neu aufgebaut werden muss (Jaja, ich weiss: Ich werde ihn eh bald wieder verkaufen…)

Nach einiger Recherchiererei (cooles Wort!) fiel meine Verstärkerwahl auf den den Yerasow GTA15, der vom Kölner Musikstore (als Fame GTA 15) vertrieben wird. Ein kleiner, handverdrahteter Vollröhrenamp, der in Russland hergestellt wird und dessen Design sich am Fender Pro Junior anlehnt: 15 Watt aus 2 EL84 in ein 10″-Speaker, einen Volumen- und einen Tonregler. Klingt phantastisch und hat selbst mit meiner Pedal-Steel noch erstaunlich viel headroom.

Sierra CG S-10 3x4

Sierra

Ich hatte eigentlich vor, meinen POD davor zu schalten und einfach glücklich zu sein. Klappte leider nicht, da der POD dem Amp sämtliche direkte Ansprache nahm, da hätte ich mir auch eine billige Transe kaufen können. Da ich mit dem Klang des Verstärkers eh zufrieden war, brauchte ich eigentlich nur noch ein Reverb-Pedal und einen Verzerrer.

Gerade an Hallpedalen habe ich mir einige angehört, aber an den Elektro-Harmonix Holy Grail kam nichts dran. Am ehesten noch der Marshall Reflector, der aber a) teurer war und b) lange nicht so gut aussah.

Da ich kein Geld für einen meiner Lieblingsverzerrer (MEK TD-2, Voodoo Lab Sparkle Drive) hatte, muss es jetzt erstmal der Digitech Bad Monkey tun, der aber auch ziemlich klasse klingt.

fx
Ach ja: Leider brauch mein Ernie Ball Volumenpedal einen neuen Poti, was aber teuer wäre als dieser optische Totalschaden. Da muss der Ernie noch etwas warten.

Jetzt ist aber gut: Meine Pedal-Steel klang noch nie so gut und ich bin richtig glücklich. Und hoffe natürlich, das ich mich finanziell nicht übernommen habe. Aber ich habe ja noch den Twin…

Vielleicht muss man sich langsam fragen, ob ein Politiker, der Opfer eines Anschlages geworden ist, noch so ohne weiteres ein öffentliches Amt bekleiden kann. Bei allem Mitleid: So ein Ereigniss, das die betreffende Person evtl. sogar noch als Invalide zurücklässt, kann nicht spurlos an einem Menschen vorbei gehen. Gerade für Positionen, in der Entscheidungen zu treffen sind, die ursächlich mit dem eigenen Schicksal zusammenhängen, sollte zumindest über eine obligatorische Supervision und vielleicht sogar ein unabhängiges Gutachten über die psychische Eignung nachgedacht werden.