God is in the house.

Juni 16, 2007

Im Prinzip versuche ich schon seit vielen Jahren, mein Leben nach Jesus‘ Beispiel zu leben. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg, natürlich. Ich habe mich damals in der Baptistengemeinde meiner Eltern taufen lassen und gehe auch seit dem ich in Berlin bin, weiterhin in eine Freikirche. Gegen Ende des letzten Jahres schlingerte dieser Teil meines Lebens jedoch in eine ernsthafte Krise. Nicht, das ich ein Problem mit Gott oder Jesus gehabt hätte, ganz im Gegenteil: Mir wurde klar, das mein Anspruch in einem ziemlichen Gegensatz zur Ausübung stand, und das ich daran dringend etwas ändern musste, wenn die Geschichte von Jesus noch eine echte Relevanz für mein Leben haben sollte.

Es gab eine Menge Dinge, über die ich nachdachte und die ich in Frage stellte und (immer noch tue), und das erste, was ich merkte, war, das die traditionelle Kirche (worunter ich jetzt auch die freien Gemeinden zähle) wenn überhaupt nur einen Ausschnitt von dem repräsentiert, was Jesus IMO gelehrt hat. Für mich geht es nicht darum, wie man irgendwann und möglichst kostengünstig in den Himmel kommt. Wenn ich das neue Testament lese habe ich den Eindruck, dass Jesus noch viel mehr wollte, als den Christen ein Ticket ins Paradies in die Hand zu drücken. Ich glaube, es ging ihm um eine spezifische und neue Art der Weltgestaltung. Im neuen Testament ist oft davon die Rede, das mit Jesus das Reich Gottes gekommen ist – und das die Menschen dazu aufgerufen sind, danach zu handeln. Ich weiss nicht, ob das immer so richtig gut klappt, wenn man sich in alte Gebäude einschliesst, 400 Jahre alte Lieder singt und überhaupt erstmal Vereine gründet und Hierarchien schafft. Das mag für manche Menschen genau das sein, was sie brauchen, aber ich stelle fest, das mir das nicht reicht. Es stimmt zwar, das Gott nichts für seine Gnade verlangt, als Jesus als seinen Sohn anzuerkennen, aber es heist nicht umsonst: „Glaube ohne Taten ist tot.“ Wenn eine Wahrheit, die ich erkenne, keine Änderung meines Handelns mit sich bringt, was nutzt mir dann die Wahrheit?

Aus diesem Grund habe ich mich auf die Suche gemacht und bin auf eine Bewegung gestoßen, die sich „Emerging Church“ nennt. Wobei: Bewegung ist eigentlich zuviel gesagt, eigentlich ist es eine Diskussion über eine Postmoderne Kirche, die sich hauptsächlich in Blogs, Seminaren und Büchern abspielt, bei der ich viele meiner Fragen wiederfinde. Es gibt also keine „Emerging Churches“, höchstens Gemeinden, die dieser Idee nahestehen. Und das Ideenspektrum ist wirklich gross. Es gibt aber ein paar Aspekte, die sich durch alle Diskussionen ziehen: Es geht z.B. um eine grössere Identifikation mit dem Leben Jesu; einem stärkeren Bewusstsein für gesellschaftliche Belange; einen Anschluß an das postmoderne Leben und ein gemeinschaftliches Leben als Christen, das weg vom Konsumieren und hin zu mehr Partizipation und Aktivität führt. In Berlin und Deutschland gibt es nur wenig Leute, die damit überhaupt etwas anfangen können, aber ich habe das Gefühl, dass sich das bald ändern wird.

Jedenfalls habe ich Anknüpfungspunkte gefunden und bin da recht froh drüber. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr in meiner alten, konservativen Kirche, sondern gehe Samstags abends zu einem Treffen von Christen, die eher locker organisiert sind. Ich sehe „Christ-sein“ sowieso als etwas prozeßhaftes und befinde ich gerade mehr auf der Strasse als das ich irgendwo angekommen wäre, aber eines ist auf jeden Fall schon geschehen: Ich habe angefangen, der Bibel einen immer grösseren Platz in meinem Leben einzuräumen und erlebe, das sie mich verändert. Vielleicht habe ich deshalb früher nie darüber geschrieben. Natürlich macht mich das alles nicht zu einem besseren Menschen, aber vielleicht zu jemandem, der sich seines Versagens bewusster ist und der dankbar dafür ist, das Jesus ihm den eigenen Dreck am Stecken vergeben hat. Das halte ich für eine prima Ausgangsposition.

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