Kein Henry
Mai 29, 2008
So schnell kanns gehen: Aus für mich nur schwer nachvollziehbaren Gründen möchte Henry Reyels zukünftig auf meine musikalische Mithilfe verzichten. Wundert euch also nicht, wenn hier keine diesbezüglichen Werbepostings mehr erscheinen. Die weitere Karriere dieser Band kann hier verfolgt werden. Ich wünsche von Herzen alles Gute…
The Evangelist
Mai 20, 2008

Seit ein paar Jahren wird es mir langsam klar, dass meine Hipster-Zeit bald endgültig gegessen sein wird. Ich finde 90% aller neuen Bands todlangweilig und erst neulich habe ich mit meiner besten Feundin Tina darüber gesprochen, welche Vorteile es doch hat, nicht mehr so jung zu sein. Wir waren bei einer Vernissage und es spielte eine Band, deren Mitglieder alle so um die 20 waren. Verschüchtert zu sein, alles falsch zu machen und zu glauben, alles gerade erfunden zu haben kann ja ganz niedlich sein, aber weisse Oberhemden tragen zu dürfen muss man sich auch erst verdienen, Son!
Also bin ich dankbar für Menschen, die ein bestimmtes Alter erreichtt haben und dennoch Musik machen. Im Falle von Robert Forster muss ich sogar feststellen, dass meine Welt eine schlechtere wäre, hätte er sich nach dem Tod von Grant McLennan nicht wieder nach London ins Studio begeben. Heraus kam er mit „The Evangelist“ und ich denke, das Album kann locker neben den besten Go-Betweens-Arbeiten bestehen. Zentrales Stück ist natürlich „Demon Days“, welches zum Großteil noch von McLennan geschrieben wurde. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Chris Eckman vor 2 Jahren, wie erschüttert er über den Tod von Grant war, die beiden Bands waren wohl recht eng befreundet.
Hier gibt es ein Interview mit Robert Forster und das Beste: Am 4.10. spielt er in der Passionskirche!
Da hinten wird’s hell!
Mai 10, 2008
Man, das waren wirklich sehr intensive anderthalb Wochen, und allein über die beiden Wochenenden könnte ich jeweils ein Buch schreiben. Alles in allem war es wirklich sehr schön, obwohl ich den Eindruck habe, mit dem Verarbeiten nicht recht nachzukommen. Vielleicht erstmal ein paar Sätze zum (meinem 11.) Orange Blossom Special Festival, bei dem ich seit letztem Montag gearbeitet habe. Die auffälligste Neuerung in diesem Jahr war natürlich das Wetter; bis auf das OBS 9 gab es noch kein Jahr ohne Regen, und selbst beim neuten standen viele Wolken den Sonnenstrahlen im Weg. Diesmal aber nicht – schon in der Aufbau-Woche brauchte man Sonnenmilch und es wurde jeden Tag wärmer.
Mit am schönsten war wie immer das Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten. Letztes Jahr konnte ich ja nicht zur Weihnachtsfeier kommen, was den Abstand natürlich um so grösser machte.
So richtig angefangen hat es schon am Donnerstag Abend mit der Aufwärmparty im Stadtkrug. Stefan Maelck hat aus seinem aktuellen Hank Meyer Roman gelesen, der offenbar nicht weniger lustig als sein Vorgänger ist. Danach spielte WOLAM, die das Festival letztes Jahr eroeffnet haben, und wow, die haben sich ja enorm weiterentwickelt. Gute Band. Leider sind mit mir zusammen eigentlich fast alle ziemlich abgestuerzt, was das Arbeiten am Freitag etwas schwierig gestaltete…
Hier ein paar kurze Eindrücke zu den Bands:
Freitag, 09. Mai 2008
SIR SIMON
Diesmal wurde das OBS von einer Berliner Band namens Sir Simon Battle eröffnet, die eine Art Indiepop spielten (was bei mir mittlerweile als Schimpfwort gilt). Fand ich aber trotzdem sehr schön, da es viele originelle Ideen gab und die üblichen Engländer mal nicht kopiert wurden. Ausserdem waren alle sehr nett. Werde ich im Auge behalten. Vielleicht brauchen sie ja mal eine Pedal Steel…
THE AUDIENCE
Der Hammer. Wer sich noch an The Make Up erinnern kann, der bekommt eine Ahnung. Schade, dass ich mir keine CD von Ihnen gekauft habe, muss ich mal nachholen.

THE VIOLENT YEARS
Von den Norwegern blieb mir eigentlich nur der Drummer im Gedächtnis, und das weniger aufgrund seiner musikalischen Leistung sondern allein durch die Tatsache, dass er das ganze Wochenende sturzbesoffenst durch das Festival stolperte und und ordentlich nervte.
GIRLS IN HAWAII
Bands mit Attitüde… Ich kann ja gut verstehen, warum man als Musiker manche Kompromisse nicht eingehen moechte, weil die Performance darunter leiden würde, aber vielleicht wäre es schlau, bei einem kleinen Festival mal einen Gang runterzuschalten. Allein der Rider war 26 Seiten lang…
Normalerweile spielen die Bands wegen Zeitdruck grösstenteils mit der gleichen (qualitativ exzellenten) Backline, aber die Girls wollten komplett über ihr eigenes Zeug spielen und so stand der komplette Keller voll mit GIH-Krempel. Naja. Musik ging so. Ein bisschen zu poppig für mich. Fand aber die Vocal-Loops sehr intererssant. Müsste ich wohl mal auf Platte hören.

Samstag, 10. Mai 2008
CLARA LUZIA
Aus Österreich. Ein bisschen wie Feist, nur etwas beschwingter. Nett, hat mich aber nicht gepackt.
SHOOTING JOHN
Obwohl ich die Platte letztes Jahr richtig gut fand, habe ich die irgendwie verpasst… Was habe ich da nur gemacht? Gegessen?
CUBA MISSOURI
Indierock. Ansonsten äussere ich mich da mal nicht zu.
RYKARDA PARASOL & THE TOWER RAVENS
Toll! Mein alter Kumpel Christian ist derzeit ihr Tourmanager, deshalb war gleich ein guter Draht zwischen der Band und mir da. Hatte Rykarda letztes Jahr Solo gesehen, was mich nicht so überzeugt hatte, aber mit dieser Combo (und vor allem mit Wymond, dem Gitarristen, musikalisch eine Mischung aus J Mascis und dem Typen von Steve Wynn) war sie um ganze Klassen besser. Tolle Stimme, erinnert mich an Siouxsie Sioux.
HYACINTH HOUSE
Ich bin nicht ganz unbeteiligt daran, dass ihre CD bei Glitterhouse rausgekommen ist, und ich mag die Band echt gerne. Ich kann ja auch verstehem, das man nervös ist vor einem Gig, aber Himmeldieberge, sowas habe ich selten gesehen. Die beste Szene: Der Sänger und Gitarrist kriegte sein Stimmgerät nicht zum laufen und sprang gute 2 Minuten auf der armen Kiste rum, bevor er sie dann kurzentschlossen mit dem baugleichen Modell der Chellistin austauschte, nach dem Motto: Welches Bandmitglied mag ich denn am wenigsten? Als die sich beschwerte und Rembert sich das Ding mal anguckte, war wohl keine Batterie drin… ahem. Konzert war aber trotzdem gut.
20:40 MICHAEL J. SHEEHY & THE HIRED MOURNERS
Klarer Gewinner des letzjähringen Festivals und heuer sah es auch kaum anders aus. Mehr in die Fresse, aber trotzdem mit Seele. Die Bassistin ist immer noch das Rock Chick of the year (schwarzer Gibson Thunderbird mit goldenen Saiten!) Und trinkfest.
22:30 SCOTT MATTHEW
Im Dezember habe ich ihn erstmalig im Berliner Babylon-Kino gesehen, wo er nach einer Shortbus-Vorführung spielte. Hat mich nicht so beeindruckt; ich fand, das alle Songs gleich klangen und er konnte auch nicht Ukulete spiele, da er aufgrund eines Überfalls in NY seine Hand noch in einer Schlinge trug.
Trotzdem habe ich mich in den nächsten Wochen dabei erwischt, mir ständig die Songs auf seiner myspace-Seite angehört zu haben. Im Februar kam er dann nochmal ins Babylon und da war es um mich geschehen. Ich sass die ganzen 90 Min. auf der Kante meines Sitzes und hing an seinen Lippen. Unglaublich nett ist er auch noch. Er trägt ja einen imposanten, schwarzen Bart und Rembert hatte vorher einige Fake-Bärte besorgt, die wir alle während der Umbaupause trugen. Wider einigen Befürchtungen war die Künstlerseele nicht beleidigt, er fand das sogar ziemlich lustig. Auch das Album dürfte schwerlich aus meinen Top 10 in diesem Jahr zu vertreiben sein. Bester Act für mich in
diesem Jahr und dieses Konzert, wenn es auch nicht so intim wie im Babylon neulich war, hat das nochmal bestärkt. Texte sind übrigens auch toll.

Sonntag, 11. Mai 2008
12:30 MARY EPWORTH & THE JUBILEE BAND
An diesem Morgen habe ich höchstpersönlich den hangover erfunden und deswegen nur 3 Songs gesehen. Fand ich aber sehr schön. Die Musik auch.
14:00 GISBERT ZU KNYPHAUSEN
1000 Symphatiepunkte, aber ich glaube, ich kann mit dieser Art von sensirrbeler Nabelbetrachtung nichts mehr anfangen. Ohne Band klang er wie Reinhard Mey. Irrsinnig guter Drummer.
15:30 SCOUT NIBLETT
Auf die hatte ich mich schon sehr gefreut, da ich ein paar Songs ihres letzten Albums kannte. Kamen zu spät, weil ihr Navi ausgefallen war und sie sich (trotz des Namens!) verfahren hatten. Gingen also gleich auf die Bühne, Sie mit alter Jaguar und voll aufgedrehtem Twin Reverb, er mit unserem Gretsch-set unten auf der Bühne. Vom ersten Moment an dache ich, die „haben“ es – extrem dynamisch, teilweise sehr laut und intensiv aber immer etwas autistisch. Es gab allerings einen lustigen Moment, als sie „Any questions?“ in die Menge fragte und die erwartbaren bescheuerten Fragen brav beantwortete. Nach Matthew mein liebstes Konzert. Hat mich echt umgehauen.
17:00 HANK SHIZZOE & THE DIRECTORS
Was für ein Kontrast, doch bei aller Liebe: Dabei bin ich beinahe eingeschlafen. Klänge es nicht so despektierlich, würde ich es „Mucker-Rock“ nennen, aber es gibt ja Leute, die Gitarrensoli toll finden. Pause für mich, Spass für die anderen.
18:40 DEXTER JONES CIRCUS ORCHESTRA
Deren CD lief schon beim Aufbau ständig und mir gefiehl sie sehr gut. Live dann sogar noch besser, weil weniger „brav“. Whisbone Ash und so weiter, sowas traut sich keiner mehr heute. Waren richtig toll und hatten sogar interessantes zu erzählen. Men on a mission. CD gekauft.
20:20 THE GREAT CRUSADES
Tolle Typen, musikalisch konnte ich nie richtig viel mit ihnen anfangen. Tolle show, aber.
22:10 TIMESBOLD
Gefiel mir noch besser als auf Platte, da seine jammerige Stimme live nicht so deutlich rüberkam. Die Songs finde ich eigentlich alle gut (Old Hannah!), auch die Arrangements, aber diese Art zu singen ertrage ich nicht nur sehr dosiert, auch, wenn sich momentan viele auf die Robert-Smith-Schule beziehen. Ein toller Abschluss des OBS jedenfalls.

Was noch:
- Ein neuer Sponsor in diesem Jahr: Stark-Amps. Klangen wie angedickte Fenders, also sehr gut. Der „Präsident“ der Firma lief mit Hut und Hund durch die Gegend, ein Techniker wurde auch noch extra
eingeflogen. Alles ein etwas bizarrer Aufmarsch für so eine kleine Firma. Aber 1000 Dank für die tollen Crew-Shirts und die Pins und überhaupt. Ihr seid schon ganz schön cool.
- Kopfstützen beim Pissoir. Harnlassoptimierung auf allerhöchsten Niveau.
- Montag abend essen mit Eckman, Race und Brokaw. Haben viel von Mali erzählt. Die haben die beste Zeit ihres Leben auf Tour, glaube ich. Race hat ein Album einer Band aus Polen mitgebracht („Psycho-Path“, glaube ich), auf der eine gefesselte Frau in einer Blutlache liegt und ein Messer im Arsch hat. Wir sahen Parallelen zu „Smell The Glove“ und befanden, das Spinal Tap einfach ein Muss für jeden ist, der irgendwas mit Musik zu tun hat, denn sonst wirds leicht scheisse.
- Zwei neue Motti für das nächste OBS: „Schöne Männer und Weltfrieden“ (sehr gut) und: „Macht hinne, wir wollen in den Stadtkrug!“ (Even Better!)
- Dieses Jahr wurde grösstenteil LED-Licht eingesetzt, was mir überhaupt nicht gefiel, da es m.M. n. nicht zur Musik und zur Stimmung des OBS passt. Gerade das blaue Licht sah aus, alo ob jemand ein paar Neonröhren angeknipst hätte. Die immense Stromersparniss ist zwar ein gewichtiges Argument, aber die Dinger sind die Kondome der Sparte Licht in der Veranstaltungstechnik. Quasi.
- Muss man es sagen? Man muss. Der Sound war wie immer grossartig. Thx, Thorsten.
Ich denke, das war eines meiner liebsten OBS. Danke an Rembert, Vera, Karsten, Alex, Stefan, Christoph, Julia, Julia, Barbara, Melli, Nisa, Imme, Tacki, Florian, Phillip, Yannick, Thorsten, Eddie, den Monitormischer, „Simmon“, Friederike, Steffi, Anja, Anne, Basti, Archie, David, Frauke, Johannes, Jutta, Lutz, Ingolf, Marcel, Michael, Mike, Sarina, Sina, Uli und wen ich auch immer vergessen habe.
UPDATE: Ullrich Maurer hat auf Gästeliste.de schon den ersten Teil seines Konzertberichts veröffentlicht, inkl. Video

Orange Blossom Special!
März 20, 2008
Wie der eine oder andere vielleicht weiss, habe ich 1998 mal ein halbes Jahr als Praktikant bei Glitterhouse Records gearbeitet und bin dem Label und den Menschen immer noch aufs Freundschaftlichste verbunden. Seit diesem Jahr arbeite ich auch regelmäßig als Stage Hand beim Orange Blossom Special Festival, das seit ‘97 jährlich im Garten der Firmenvilla stattfindet.
Folglich findet der Spass dieses Jahr zum 12. Male statt und trotzdem sich alles über die Jahre gut eingeschliffen hat, ist es jedes Mal eines und nicht selten das persönliche Highlight des Jahres. Und zwar hauptsächlich deshalb, weil es eben kein typisches Festival ist. Keine Alkleichen, keine Bouncers, keine Abzocke – sondern fast ausschliesslich nette Leute, tolle und sympathische Bands (sieht mal man von Chuck Prophet ab) und jede Menge Spass.
Normalerweise sind die Tickets immer innerhalb kürzester Zeit weg, dieses Jahr gibt es aber noch ein paar Restkarten, und so möchte ich hier mal kurz mit dem Finger drauf zeigen. Für schlappe 40 EUR gibt es vom 9.-11. Mai (Pfingsten) folgendes:
- SIR SIMON
- THE VIOLENT YEARS
- HYACINTH HOUSE*
- SHOOTING JOHN*
- CLARA LUZIA
- DEXTER JONES CIRCUS ORCHESTER
- SCOTT MATTHEW
- GISBERT ZU KNYPHAUSEN
- RYKARDA PARASOL & THE TOWER RAVENS*
- HANK SHIZZOE & THE DIRECTORS
- TIMESBOLD*
- MICHAEL J. SHEEHY & THE HIRED MOURNERS*
- CUBA MISSOURI
- THE AUDIENCE
- THE GREAT CRUSADES
- SCOUT NIBLETT*
- MARY EPWORTH & THE JUBILEE BAND
- GIRLS IN HAWAII
Ich kann also jedem, der musikalisch damit was anfangen kann, nur an Herz legen, sich dieses Festival anzutun. Ich sage euch: Sowas gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Und bei der derzeitigen Lage der Musikindustrie muss man ja auch immer sagen: Wer weiss, wie lange es das noch gibt.
Und wenn ihr kommt: Sagt Hallo! Ich bin fast immer an der Bühne zu finden.
listen to me whine.
März 11, 2008
Nicht zuletzt eine fette, selbst nach zwei Wochen noch nicht gänzlich abgeklungene Erkältung hat mich dazu gebracht, das lustige Alk,-Schoko,- und Web2.0-Fasten bis Ostern endgültig in die Tonne zu treten. Immerhin kann ich nun weitere drei Erkenntnisse meiner Lebenserfahrung zufügen:
1. Ausgehen, ohne was zu trinken ist für’n Arsch.
2. Selbst das beste alkoholfreie Bier ist noch schlechter als das schlechteste mit.
3. Social Networking is the Zeitfresser Number One.
Ausserdem bekamen mein Kollege und ich vorletzten Samstag eine mail von unserem Chef, der zumindest einem von uns eine Entlassung Ende März ankündigte, sollte sich die geschäftliche Situation bis dahin nicht massiv gebessert haben. Da wir diese bis zu einem gewissen Punkt selber beeinflussen können, arbeite ich seitdem wie besessen, was mich immerhin auch von der massiven Depression ablenkt, in die mich diese mail geschickt hat. Donnerstag war der erste Tag, an dem ich wieder etwas Land gesehen habe (zuvor habe ich allerdings Gott auf das Gröbste beschuldigt, angebrüllt und beleidigt… scheint geholfen zu haben.)
Aber vielleicht geht der Kelch mal mal wieder an mir vorbei. Vorletzten Samstag gab es bei Rock Berlin ein Zitat von Bonhöfer, das sinngemäß feststellte, dass Gott so grossartig ist, dass es einem Hoffnung für das ganze Leben geben sollte. Sehe ich auch so, und obwohl mir Gott trotz all meiner Fehler bislang immer den Arsch gerettet hat, bin ich manchmal so dermassen kleingläubig, das Gott schon mehrmals schreiend das Zimmer verlassen haben muss (wenn er wie ich wäre).
Und dann gibt es auch immer wieder Dinge wie diese, die einem die Brille wieder zurechtrücken…
Oh, sweet Jesus!
März 11, 2008
lent
Februar 5, 2008
So, ich habe mich entschieden, jetzt mal ernst zu machen. Ab morgen wird das Web.2.0 abgeschaltet, es wird weder gebloggt, noch werden Blogs gelesen. Kein Bier, keine Schokolade. Dafür jeden Morgen und jeden Abend Mark. 12, 29-30 (Näheres zur 40 day challenge) und 1 Stunde täglich mit Gott verbringen.
(Dafür werde ich heute noch mal ordentlich in meiner Lieblingsbar zulangen. Unkrainischer Vodka! Man glaubts nicht, bevor mans nicht probiert hat.)
Dummerweise fällt mein Geburtstag in diese Zeit und es kann durchaus sein, dass ich da mal eine Ausnahme mache, aber ich bin gespannt, wie weit ich komme.
Wir lesen uns dann in 41 Tagen wieder.
Control
Januar 31, 2008
Heute abend war ich mit meinem Kumpel Markus Rill endlich in „Control„. Ich hatte schon vor mehr als einem Jahr eine Ankündigung gelesen uns war dementsprechend gespannt. Joy Division haben mir vor allem in meiner Teen Angst Phase mit 13/14 (also 1985/86) sehr viel bedeutet und sind neben den Beatles, Siouxsie & the Banshees und Neil Young sicherlich eine der Bands, die mein Leben in gewisser Weise verändert und geprägt haben.
Trotz aller guten Kritiken bin ich allerdings ziemlich enttäuscht. Ich habe nicht viel Ahnung von Filmkritik, bin aber fleissiger Leser von Todd Alcott und seine Hauptfrage „What does the Protagonist want“ bringt genau mein Problem mit diesem Film auf den Punkt: Man weiss es nicht. Curtis wird mit seinen Eltern gezeigt, bei seinem Job als Arbeitsvermittler, knutschend mit Debbie und später auch als Sänger, aber dieses ganze Leben bleibt seltsam unzusammenhängend. Man weiss nicht, was ihn umtreibt und zu den Dingen veranlasst, die er tut. Er gibt zwar manchmal Statements von sich, wie: „Ich wollte immer nur raus aus Macclesfield“, aber sonderlich anstrengen tut er sich nicht. Im Gegenteil, er heiratet und wird Vater.
Genauso rätselhaft ist der Grund seines Todes: Klar ging es ihm nicht gut, aber warum hat das zum Suizid geführt? Da muss ich Johnny Häusler recht geben: Eine Charakterentwicklung findet nicht statt. Fast alle Figuren bleiben blosse Skizzen; nur der Manager scheint von einem Ziel angetrieben zu sein und liefert auch prompt eine der besten Darstellungen.
Dabei sind viele Darsteller richtig gut: Riley macht den Ian, wie man ihn von den Auftritten her kannte. Samantha Morton spielt Debbie absolut überzeugend, und auch viele Nebenrollen sind gut besetzt. Einzig Alexandra Maria Lara als Annik Honoré macht den Eindruck, als hätte man sie direkt vom GZSZ-set weggecastet; allerdings hat sie auch keine sonderlich dankbare Rolle. Denn was sie und Curtis aneinander finden bleibt ebenso im Dunkeln wie der Grund, warum er Debbie nicht verlässt.
Schade. Ich hatte mir wesentlich mehr davon versprochen und glaube auch, dass sich da mehr hätte rausholen lassen. Aber so bleibt Curtis’ nur jemand, der jung geheiratet hat und mal in einer Band gesungen hat.
You supply the caption. (Mir fällt da gerade nichts zu ein…)
Januar 24, 2008
Doctrin Schmocktrin
Januar 23, 2008
Nach einigen Monaten habe ich mich heute wieder mal mit einer Bekannten zum Mittagessen getroffen. Wir sind uns vor über 10 Jahren schonmal begegnet; damals kannten wir uns allerdings nicht sondern hatten nur gemeinsame Freunde. Irgendwann rief sie dann mal in unserem Büro an, weil sie u.a. auch Interviews für das Portal macht, bei dem ich arbeite. Es stellte sich dann heraus, das wir bizarr viele gemeinsame Bekannte haben, sie ebenfalls Musik macht und wir dazu auch noch eine sehr grosse musikalische Geschmacksschnittmenge haben.
Wir überlegten im letzten Jahr, einige gemeinsame Projekte zu machen, haben uns dann aber auch auch durch Tod meines Vaters und ihrer Trennung von ihrem Mann aus den Augen verloren. Jetzt wollen wir es mal wieder versuchen, ganz vorne auf der Liste steht die Gründung eines Verlages, um ihre exzellenten Songs vermarkten zu können.
Jedenfalls erzählte sie, dass sie letztes Jahr in den USA auf einer riesigen Veranstaltung von Joyce Mayer war und sie eine sehr spiritueller Mensch sei, der sich viel mit diesen Dingen beschäftige. Ich hatte so etwas geahnt, mich aber sehr gefreut, dass ich mich mit ihr über spirituelle Dinge unterhalten kann. Ihren Ansatz hätte man in den 80gern vielleicht am ehesten mit „New Age“ bezeichnet (gibt es eigentlich Leute, die diesen Ausdruck noch benutzen?); generell ist sie der Auffassung, das es viele Wege zu Gott gibt und Jesus ein durchaus legitimer sei.
Ich erzählte ihr von meiner Gemeinde, was sie sehr zu interessieren schien, da sie als katholisches Mädel in Bayern nie eine andere Art Gottesdienst als den klassischen Katholischen mitbekommen hat. Was ich aber wirklich schwierig fand, war ihr gegenüber den Absolutheitsanspruch des Christentums zu begründen. Ich hatte zwar irgendwie das Bedürfnis, ihr gegenüber „Position zu beziehen“, aber es erschien mir falsch, darauf herumzureiten.
Mir geht das ähnlich sobald irgendwo der Begriff „Doktrin“ in einem christlichen Zusammenhang auftaucht. Ich glaube nicht, dass es Jesus darum ging, ein paar hübsche Lehrsätze in die Welt zu setzen, die das Ticket in den Himmeln sichern, wenn man sie nur glaubt. Ich sehe da vielmehr eine extrem dynamische Möglichkeit, das eigene Leben zu ändern und eben frei zu sein von den Zwängen, zu denen für mich auch eine Doktrin gehören würden. Mir reicht es, wenn jemand Interesse an Jesus hat und bereit ist, sich und sein Leben, Fühlen und Denken von ihm verändern zu lassen. Ob er nun an die Jungfrauengeburt oder oder die Wunder oder sonstwas glaubt, ist mir total egal. Wer diesen Weg in aller Konsequenz geht, den wird Gott verändern, und darauf kommt es m.M. nach an. Wer weiss, was ich derzeit für einen Scheiss glaube. Vielleicht werde ich die Dinge in ein paar Jahren ganz anders sehen, aber Jesus wird immer noch der selbe sein. Und für mich ist er der Dreh- und Angelpunkt.



















































