Da Du ja vorgestern nicht beim Konzert warst, hier ein kleiner Einblick in den Abend. Rock’n'Roll.

And there’s more:
The Henry Reyels Band

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What light?

Januar 9, 2008

Etwas, das ich ganz gut kann: Nachts wach liegen und mir Sorgen machen. Seltsam, wie anders alles aussieht, wenn es Tag ist. Aber was ist realer? Das “wird-schon-irgendwie-gut-gehen” des Tages oder die luftabschneidende Angst der Nacht?

Und dann morgens vorm Rechner sitzen und lesen, das eines meiner Lieblingsblogs die myspace-Seite meiner Combo verlinkt hat. Hach. Und dann noch: Dieses Video zu entdecken:

Nels Cline sollte irgendwie König von irgendwas sein. Schön, das er endlich die Anerkennung zu bekommen scheint, die er schon lange verdient hat. Wird alles gut?

Ach ja: Die Combo (The Henry Reyels Band) spielt am Sonntag in der Junction Bar in der Kreuzberger Gneisenaustr. Kommt doch vorbei und gebt mir einen Grund, mir keine Sorgen zu machen.

Keiko Cummings
Photo: Keiko Cummings

Ich kriege gleich einen Herzinfarkt: Auf der Jandek mailingliste hat eben jemand geschrieben, das Jandek angeblich im Rahmen der transmediale am 2.2. …gasp… in Berlin spielen soll. Seit er vor einigen Jahren angefangen hat, Konzerte zu spielen denke ich darüber nach, ihn wegen eines Berliner Konzertes zu kontaktieren, aber der Aufwand war mir immer viel zu hoch. Das wäre echt der Hammer.

Auf der transmediale-Seite steht noch nichts; eben habe ich im Büro angerufen und die Frau dort meinte, das ihr der Name “bekannt vorkäme”, sie aber momentan nichts finden könne. Immerhin hat sie mir versprochen, mir eine mail zu schreiben, sobald sie mehr rausfindet.

Wer Jandek nicht kennen sollte: Hier gibt es mehr über ihn. Er macht seit 1978 Platten, ist aber bis 2004 komplett anonym geblieben. Es gab nur ein einziges Interview aus den 80gern, und um die Platten zu kaufen musste man Geld an ein Postfach in Houston schicken. Viel mehr weiss man eigentlich immer noch nicht, aber es gibt es seit dem einige Konzerte.

2004 erschien auch eine sehr empfehlenswerte Dokumentation über das Mysterium Jandek mit dem Namen “Jandek on Corwood” auf DVD. Ich muss allerdings bemerken, dass seine Musik für einen Charts-Sozialisierten Höhrer, äh, etwas gewöhnungsbedürftig ist. (Irgendjemand hat ihm eine myspace-Seite mit ein paar Songs eingerichtet). “Aquired taste”, sagt der Amerikaner wohl dazu. Caveat Emptor.

UPDATE: Habe gerade eine mail vom transmediale-Büro bekommen: Jandek war im Gespräch, aber daraus ist leider nichts geworden. Scheisse. Muss ich wohl doch mal selber tätig werden…

Trotz mehrerer Versuche ist es mir bislang nicht gelungen, dem katholischen Glauben näher zu kommen. Es gibt zwar einige Teile wie z.B. die Mystik, die mich sehr interessieren, aber sobald die Forderung auftaucht, der Tradition eine ähnlich hohen Rang wie der Schrift und dem eigenen Erleben einzuräumen, gehen bei mir die Türen zu. Sei’s drum, “It’s all one song” brüllte Neil Young einmal in den Lärm hinein, und ich schiebe ein “Alles der gleiche Gott” hinterher.

Etwas, das mich aber stets faszinierte ist die Bildfixierung mancher Kulturen des Katholizismus. Als ob es das Bilderverbot nie gegeben hätte, scheinen Ikonen, Marienbildchen und Kruzifixe so nötig wie die Bibel selber, um… tja, wozu eigentlich? Als Konzentrationshilfe? Als Form der Anbetung? Ich selber habe meinen Glauben immer frei von Verbildlichungen ge- und erlebt, aber trotzdem fasziniert es mich, dass andere Menschen dem offenbar einen grossen Platz im Leben einräumen.

Der Orden des Leibowitz postete neulich ein paar Devotionalien aus Mexico, die beim OK Versand erhältlich sind. Da ich heute zufällig in der Nähe des Berliner Ladens war, habe ich gleich ein paar Kerzen und einen Reisealtar erworben, um meinen kleinen Devotionalien-Altar mal wieder aufzustocken:

Neben einem Weihwasserfläschenchen und einem Papst-Winkelement aus einer Mission bei San Francisco, einem JPII-Bild vom Flohmarkt und einer Jesus-Figur aus ebay findet sich dort noch ein so winziges wie uraltes Weihwasser-Becken von einem Flohmarkt in Spanien. Ein Kruzifix vom selben Flohmarkt hängt über meiner Zimmertür. Näher zu Gott bringt mich der ganze Krempel nicht, aber irgendwie freue ich mich daran, das es bei anderen Menschen zu funktionieren scheint.

Arschlöcher der Woche

Januar 3, 2008

Den Preis für das gelungenste Adbusting geht diese Woche an die Spassvögel, die die Selbststilisierung der Atomlobby als “Umweltschützer” durch eine popkulturelle Kleinigkeit als verlogen entblößt haben: Im abgebildeten Flüsschen schwimmt der dreiäugige Fisch, der sich normalerweise in der Nähe des AKWs in Springfield aufhält.


(Gesehen im UBahnhof Weinmeisterstr.)

Topi Galoppi

Dezember 24, 2007

Mal wieder Zeit für eine Jahres Top Dingens.

Musik

Ich empfand es als ein ziemlich durchschnittliches Jahr, im Gegensatz zu 2006 gab es eigentlich kaum etwas, das mich komplett vom Hocker gehauen hätte. Einige alte Meister sind zurück (Merle Haggard mit einem Bluegrass-Album, das ich aber leider noch nicht hören konnte), Porter Wagoner mit der letzten Platte vor seinem Tod, Charlie Louvin, Levon Helm) und ein paar neue (Harrington, Sheehy!) wurden geboren. Also eigentlich alles wie immer.

1. Rachel Harrington - The Bootlegger’s Daughter

Rachel habe ich vor ein paar Jahren mal getroffen, weil sie mit einem Freund von mir zusammen war und ihn hier besuchte (Sie lebt, glaube ich, in Seattle). Sie sagte damals, dass sie ja auch Musikerin sein u.s.w. und ich dachte nur, ja, voll interessant, noch eine Singer/Songwriterin… Als ich dann dieses Jahr ihr erstes Album bekam, musste ich mich etwas schämen, denn diese Platte ist fast perfekt - vom Songwriting über die Arrangements bis zum Gesang kann man da wohl kaum was besser machen. Und Seele hat das Album für 10.
Anspiel-Tipp: Shoeless Joe

2. The Felice Brothers - Tonight at the Arizona

Wenn man so will war “Tonight at the Arizona” der Soundtrack zum Tod meines Vaters. Ich habe es wärend dieser Wochen fast täglich gehört und so hat es sich unzertrennlich mit dieser Zeit verwoben. Erinnert sehr an alte The Band/Basemant Tapes-Aufnahmen, allerdings mit einem guten Schuss Punkrock-Dilettantismus. Wie mein Mucker-Kumpel Nils sagte: Die können weder singen, noch ihre Instrumente spielen, aber die Platte ist besser als alles, was wir je zusammen gemacht haben.
Anspiel-Tipp: Roll on, Arte

3. Michael J. Sheehy - Ghost on the Motorway

Irgendwie auch ein Songer/Songwriter, aber eher die London-Im-Nebel-Version. Sehr verhallt und verhuscht, tolle Texte, die sich viel mit Spiritualität beschäftigen, dabei teilweise aber sehr lustig sind. Mit Bloody Nose hat er auch noch das beste Video des Jahres gemacht. Live auf dem OBS dieses Jahr dann der Hammer. Ein netter Typ ist er auch noch. Freue mich sehr auf das Berliner Konzert im Januar.
Anspiel-Tipp: Bloody Nose

4. Levon Helm - Dirt Farmer

Der The Band-Drummer ist vielleicht einer meiner grössten Helden. Ich glaube, das ist sein erstes Album seit 18 Jahren oder so. Alles Covers, aber was für welche. Nach seiner Krebs-OP hat er eine hörbar veränderte Stimme und das Singen scheint ihm nicht immer leicht zu fallen. Aber seine Art, Schlagzeug zu spielen, ist immer noch unkopierbar. Die Platte ist ein einziges Statement des Immer-noch-da-seins. Macht mir manchmal Tränen in die Augen. Sehr empfehlenswert ist übrigens seine The Band-Biographie “This Wheel’s on fire”. Wenn ich endlich reich bin, das wäre einer meiner grössten Wünsche, mal zu einem seiner Matinee-Konzerte in seinem Studio in den Catskills zu fahren.
Anspiel-Tipp: False Hearted Lover Blues

5. Chris & Carla - Fly High Brave Dreamers

Die Walkaboubts empfand ich immer als nie so richtig toll, aber was Eckman und Torgerson solo machen, stellt vieles andere in dem Schatten. Nicht so gut wie “Swinger 500″, eine meiner Inselplatten, aber der Geist ist da. Und tolle Leute sind das auch.
Anspiel-Tipp: Long Slow River

6. Uncle Earl - Waterloo, Tennessee

Eine all-girl Band mit Bluegrass als Hauptingredienz, aber viel Folk und Country ist auch dabei. Tolle Sängerinnen und Instrumentalistinnen mit oft ebenso tollen Songs und viel Mut - Zu einem Song wird der Text in Mandarin deklariert, was unglaublicherweise perfekt passt. Würde ich sehr gerne mal live sehen.
Anspiel-Tipp: The Last Goodbye

7. Iron & Wine - The Sheperd’s dog

Bei Sam Beam ist es immer so, dass mich einige Songs extrem berühren, andere dagegen kaum, obwohl er einen sehr eigenen und speziellen Stil hat. Mein Lieblingsalbum von ihm bleibt nach wie vor “Woman King”, auf The Sheperd’s Dog geht er jedoch einige neue Wege, was die Arrangement betrifft. Das steht der Musik sehr gut. Muss ich vielleicht doch noch öfters hören.
Anspiel-Tipp: House By The Sea

8. Billy Joe Shaver - Everybody’s Brother

Billy Joe Shaver habe ich erst vor 2 Jahren entdeckt. Was für ein Mann, was für ein Leben. Hier mit einer Platte, die thematisch ein Gospel-Album ist, aber musikalisch eher Roots/Country. Die bei ihm sonst meist exzellenten Lyrics sind etwas dünn (wie meistens, wenn Leute über Jesus singen) und Zeilen wie “If you don’t love Jesus, go to hell” gehen deutlich über meine Erträglichkeitsschwelle, aber was weiss ich schon über sein Leben.
Anspiel-Tipp: Get Thee Behind Me Satan

9. Bonnie Prince Billy - Ask Forgiveness

Was wäre ein Jahr ohne eine Will Oldham Veröffentlichung in den Charts! Eine Coverplatte - nicht so interessant wie die neulich mit Tortoise zusammen, aber trotzdem toll.
Anspiel-Tipp: The World’s Greatest

10. Charlie Louvin - Charlie Louvin

Und noch eine Coverplatte, aber hier von dem grossen Charlie Louvin. Die vielen (anscheinend in diesem Genre mittlerweile üblichen) Gäste hätte es zwar nicht gebraucht, sie stören aber auch nicht weiter.
Anspiel-Tipp: Ira

11. Pat MacDonald - Troubadour Of Stomp

Kenne ich schon seit letzten Jahr. Harte Platte, in jeder Beziehung. Wenn ich Geld habe, fliege ich den für eine Tour ein.
Anspiel-Tipp: Steel Bridge Song

12. Neil Young - Chrome Dreams II

Eigentlich enttäuschend, aber hey, der Mann hat schon wesentlich beschissenere Platten gemacht.
Anspiel-Tipp: The Way

13. Richmond Fontaine - Thirteen Cities

Tolle Band, wieder tolle Platte, kommen aber irgendwie nicht aus dem Quark.
Anspiel-Tipp: Westward Ho

14. Rickie Lee Jones - Sermon on Exposition Boulevard

Wow, vor allem das Konzert war beeindruckend. Ich hoffe, aus dieser Kreativzelle hören wir noch mehr.
Anspiel-Tipp: Falling Up

15. Porter Wagoner - Wagonmaster

Der nächste alte Mann. Sei letztes Album vor seinem Tod und ein würdiger Abschluss seiner Karriere.

16. Ben Weaver - Paper Sky

Zerrissen in gut.

17. SEASICK STEVE - Dog House Music

Blues in gut.

18. Lucinda Williams - West

Hui, hier herrscht Stagnation, die aber immerhin grossartig produziert ist. Trotzdem immer noch besser als z.B. der peinliche Versuch von Solal, Country zu machen.

19. Gob Iron - Death songs for the living

Schönes Uncle-Tupelo-Gedächtnis-Projekt!

20. Rykarda Parasol - Our Hears First Meet

Anstrengend, aber lohnend. Singt wie Siouxsie.


Bücher

Sachbuch

Da muss ich 2 Bücher nennen, da beide für mich dieses Jahr unverzichbar waren:

1.: Green, Peskoe, Russell & Shuffitt - I’m a Lebowski, You’re a Lebowski

Da hatte ich ja vor kurzem schon was zu geschrieben, und das Buch ist wirklich unfassbar gut. Wenn ich es zusammengestellt hätte, wäre ich wohl ähnlich vorgegangen. Shut the fuck up, Donny.

2. Peter Rollins: How (not) to speak of God

Ich habe noch nie etwas gelesen, das meinen Glauben auf eine derart profunde Weise in Frage gestellt und umgekrempelt hat. Als ob man seit 20 Jahren in einem Haus wohnt und irgendwann eine weitere Tür entdeckt, hinder der sich Narnia oder so befindet. Müsste ich das Buch des Jahres küren, das wäre es dann wohl.

Belletristik

Cormack McCarthy - The Road

Habe ich als Hörbuch gehört, gelesen von Christian Brückner. McCarthy kenne ich seit 1998; damals hat Glitterhouse eine Art “Vertonung” seines Romans “Suttree” veröffentlicht; die Band kam aus Deutscheland und nannte sich “Buddy & The Huddle”. Danach habe ich ca. 4 Romane von ihm gelesen, die alle exzellent waren. Für “The Road” hat er endlich den Pulitzer-Preis bekommen. Apokalyptisches Setting, ein Mann und sein Sohn schlagen sich durch ein vom Atomkrieg verwüstetes Amerika. Weniger Endzeitlich als eine Psycho-Studie.

So, das war’s im Groben. Sollte ich die Tage noch Lust haben, schreibe ich weitere Listen, aber momentan glaube ich das nicht.

The Story of Stuff

Dezember 5, 2007

“From its extraction through sale, use and disposal, all the stuff in our lives affects communities at home and abroad, yet most of this is hidden from view. The Story of Stuff is a 20-minute, fast-paced, fact-filled look at the underside of our production and consumption patterns. The Story of Stuff exposes the connections between a huge number of environmental and social issues, and calls us together to create a more sustainable and just world. It’ll teach you something, it’ll make you laugh, and it just may change the way you look at all the stuff in your life forever.”
Link
via

Satan’s Jewel Crown

November 29, 2007

(Ich fands ja schon von den Louvin Brothers grossartig, aber Emmylou ist natürlich eine eigene Liga…)

Ich habe mir ja durchaus immer wieder mal eines von beiden Heften gekauft.

Damit ist jetzt Schluss.

Die national Befreite Zone

November 23, 2007

“Man kann im Prenzlauer Berg einfach im linken Habitus weiterleben. Das ist ja das Schöne. Man kann sich tolerant fühlen, weil Toleranz nicht auf die Probe gestellt wird. Keine Parabolantenne beleidigt das Auge, kein Kopftuch sorgt für Debatten, keine Moschee beunruhigt die Weltbürger. Es gibt hier kaum Telecafés, die Wohnungen sind zu teuer für Menschen wie Yunus Uygur. Es gibt keine Hip-Hop-Höhlen für türkische Jungs aus dem Wedding oder Kreuzberg, keine Infrastruktur für die lärmenden Kinder der Unterschicht – wenn sie sich nur rauchend auf einen der vielen Spielplätze setzen, stürzen schon die hysterischen Mütter herbei.”

Henning Sussebach in der Zeit über den Prenzlauer Berg.